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Galaktischer Energieverbrauch

Ein Artikel von Prof. Tom Murphy von Do the Math, übersetzt von Tom Schülke. Im Original heißt er Galactic-Scale Energy und gehört zu den meistgelesenen des Blogs.

Seit dem Beginn der industriellen Revolution haben wir ein beeindruckendes, sehr stabiles Wachstums des Energieverbrauchs der menschlichen Zivilisation erlebt. Anhand von Daten der us-amerikanischen "Energy Information Agency", zeigt der US-Energieverbrauch seit 1650 (1635-1945, 1949-2009, inklusive Holz, Biomasse, fossiler Treibstoffe, Wasserkraft, Nuklearenergie u.s.w. ), einen bemerkenswert gleichmäßigen Wachstumswert, der durch ein jährliches Wachstum von 2,9% gekennzeichnet ist. (siehe Abbildung 1) Es ist wichtig die zukünftige Entwicklung unseres Energieverbrauchs zu verstehen, weil Regierungen und Organisationen überall Annahmen machen, die auf der Erwartung aufbauen, dass der historische Wachstumstrend der vergangenen Jahrhunderte weiter anhalten wird. Ein Blick auf die Grafik 1 zeigt, dass dieses eine absolut verständliche Annahme ist.

Abbildung 1: Gesamt-US-Energieverbrauch seit 1650. Die senkrechte Achse ist logarithmisch skaliert, so dass eine exponentielle Wachstumskurve als perfekte Gerade dargestellt wird. Die rote Linie korrespondiert mit einer jährlichen Wachstumsrate von exakt 2,9%. Datenquelle: EIA.

Wachstum ist so sehr zu einer Hauptstütze unserer Gesellschaft geworden dass wir anhaltendes Wachstum als normale Gegebenheit empfinden. Wachstum bringt viele positive Vorteile mit sich. Autos, Fernsehen, Luftverkehr, und Dinge wie iPhones. Die Lebensqualität erhöht sich, die Gesundheitsvorsorge wird besser und das Leben wird im Laufe der Zeit komfortabler. Wachstum trägt in sich eine Erwartung an die Zukunft: Das Versprechen, dass Investitionen in die Zukunft positive Kapitalerträge bringen werden. Wachstum ist die Basis für Zinsen, Kredite und für die Finanzindustrie. (mehr …)

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Telepolis: Peak Oil: Großbritanniens Ölförderung in 2011 um fast ein Sechstel gesunken

Großbritannien hat sein Ölfördermaximum 1999 überschritten. Seitdem sinken die Fördermengen. Angesichts der Benzinpreisdebatte lohnt ein Blick auf das schwindende Nordseeöl

Ein Artikel für Telepolis.

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“collapsonomics”?

Die "collapsonomic crowd" nennt Paul Raven jene Gruppe von Menschen, die einen Kollaps der heutigen Zivilisation nicht ausschließen: Finanzkrisen, Klimawandel oder auch Peak Oil zählen sie zu den Triebfedern ihrer Überlegungen. Wolfgang Stieler hat dazu in der Technology Review ein paar Worte verloren. Und? Studierst du auch "collapsonomics"?

collapsonomics, Substantiv

1. Das Studium ökonomischer und staatlicher Systeme an den Grenzen ihrer normalen sozialen und ökonomischen Funktion; inklusive Vorbeugemaßnahmen um zerstörerische Rückkopplungen und Teufelskreise zu vermeiden. ("The study of economic and state systems at the edge of their normal social and economic function, including preventative measures to avoid destructive feedback loops and vicious cycles.")

2. Eine Beratungspraxis, die auf wissenschaftlichem und historischem Verständnis von Kollaps-Bedingungen basiert sowie den dazu passenden Reaktionen. ("A consulting practice based on the scientific and historical understanding of collapse conditions, and responses to them.")

Quelle: the institute for collapsonomics

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30. Mai: Peak-Oil-Konferenz in Wien. Ein Gespräch.

Vom 30. Mai bis 1. Juni findet in Wien die 10. Internationale ASPO-Konferenz statt. ASPO, das ist die Organisation zur Erforschung von Peak Oil, die sowohl sich sowohl in Form nationaler Netze als auch durch ein internationales Netzwerk zeigt. Die Konferenz wird Gelegenheit geben, diverse Forscher und Aktive rund um das Thema Peak Oil live zu erleben und mit anderen Peak-Oil-Interessierten in Kontakt zu kommen. Ich habe mit Michael Cerveny ein kurzes eMail-Interview geführt. Er organisiert die Konferenz mit:

 

Wie kam es dazu, dass die Tagung in Wien stattfindet?

Ich war letztes Jahr erstmals bei einer ASPO-Konferenz und habe zwei Kollegen aus Wien motiviert, nach Brüssel mitzukommen. Kaum dort eingetroffen wurden wir drei Österreicher gleich von mehreren Seiten umworben, doch die 2012 anstehende nächste ASPO-Konferenz in Wien zu veranstalten. Wir waren zunächst sehr reserviert, haben uns aber dann doch auf das Wagnis eingelassen. Ausschlaggebend war sicherlich, dass wir zum einen bei der inhaltlichen Vorbereitung auf Rembrandt Koppelaar zählen konnten, der schon viele ASPO-Konferenzen besucht hat und die letztjährige Konferenz federführend organisiert hat. Außerdem hatten wir in Österreich die Unterstützung von mehreren Sponsoren aus dem Bereich der öffentlichen Hand und der Erneuerbaren-Energie-Verbände erlangt. Somit sollte auch das ökonomische Risiko einer solchen Konferenzorganisation überschaubar sein.

Welche Rolle spielt die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik für diese Konferenz?

Die ÖGUT ist, gemeinsam mit Georg Günsberg, für die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung zuständig. Nachdem die "ASPO Austria" als neu gegründeter Verein weder eigenes Personal noch die entsprechende Bonität hat, ist es wichtig eine in Österreich renommierte Institution als Veranstalter im Boot zu haben. Immerhin ist die ÖGUT in den 80er Jahren als gemeinsamer Verein der Wirtschaft, der Verwaltung (Bundesministerium, einige Länder) und von Umweltorganisationen gegründet worden.

Wie viele Besucher erwarten Sie? Und was erwartet die Besucher?

Wir erwarten bei der ASPO mindestens 200 Besucher, hoffentlich ein wenig mehr. Nach den bisherigen Anmeldungen zu schließen wird wohl das größte Kontingent aus Österreich selbst kommen. Daneben gibt es aber das von früheren ASPOs gewohnte Spektrum aus den englisch sprachigen OECD-Ländern, aus Westeuropa. Eine regionale Verbreiterung scheint eine schwierige Herausforderung zu sein.
Da es sich um die 10. ASPO-Konferenz handelt, dachten wir, dass wir das Thema "Lessons learned" in den Mittelpunkt stellen sollten. Das heißt, es soll reflektiert werden, was sich in den letzten zehn Jahren in der "Peak-Debatte" geändert hat. Was war richtig? Was war falsch oder übertrieben? Was sind daher für die Zukunft für Schlussfolgerungen zu ziehen? Daher stehen auch Diskussionen zum "unkonventionellen" Öl und Gas im Mittelpunkt. Außerdem werden die zuküntige Energiepreisentwicklung und die ökonomischen Effekte höherer Energiepreise auf die Wirtschaft insgesamt sowie auf einzelne Branchen diskutiert. Und natürlich das Thema "geopolitische Dimensionen". Nicht zuletzt durch den "Arabischen Frühling" oder durch die "Iran-Sanktionen" wird immer deutlicher, dass neben den "below-ground-factors" die "above-ground-factors" eine große Rolle am Weltölmarkt spielen.

Wien als Veranstaltungsort hat eine gewisse Symbolik, sitzt doch auch das OPEC-Hauptquartier in der österreichischen Hauptstadt. Wissen Sie von OPEC-Offiziellen, die den Weg zur ASPO-Tagung finden wollen?

Nein, die OPEC hat uns nach mehrfacher Nachfrage höflich aber klar mitgeteilt, dass sie keinen Vertreter schicken werden. Gleiches gilt übrigens für den größten österreichischen Öl- und Gaskonzern. Über die Gründe möchte ich hier nicht spekulieren. Es kommen aber auch zur diesjährigen ASPO-Konferenz wieder zahlreiche aktive und pensionierte Insider aus der Öl- und Gasbranche. An einschlägiger Expertise wird es daher sicher nicht fehlen!

Welche Rolle spielt Peak Oil aus Ihrer Sicht in Österreich? Der Benzinpreisanstieg sorgt in Deutschland ja für leicht erhöhte Aufmerksamkeit für das komplexe Thema. Beobachten Sie das auch?

In diesem Punkt unterscheidet sich die österreichische Diskussion in keiner Weise von der deutschen.

Die Stadt Wien und das die Stadt umgebende Bundesland Niederösterreich sponsorn die Tagung. Stephan Pernkopf, "Minister" für Umwelt und Energie in Niederösterreich eröffnet die Konferenz. Was versprechen sich die Stadt und das Land von diesem Engagement?

Stephan Pernkopf ist Energie-Landesrat in Niederösterreich. Ihm geht es ganz persönlich wirklich um den Ausbau erneuerbarer Energien. Ich glaube, er hat schon lang verstanden, dass das eine Überlebensfrage ist. "Peak Oil" ist für ihn nichts Fremdes. Und die Stadt Wien hat, nicht zuletzt durch den Einzug der Grünen in die Stadtregierung, nun auch einen offensiveren Umgang mit dem Thema Energie. Ich glaube, dass sich VertreterInnen beider Bundesländer durch die Konferenz eine Stärkung des Verständnisses für bestimmte energiepolitisch notwendige Maßnahmen erwarten. Denn wir alle wissen, dass in der Energiepolitik nicht alles populär ist, was aus Sicht einer nachhaltigen und resilienten Entwicklung sinnvoll ist.

Vielen Dank. Möge die Konferenz gut besucht sein und auch auf öffentliches Interesse stoßen!

 

Frühbucher haben noch bis diesen Montag, 16. April die Chance auf besondere Teilnahmegebühren. Studenten sowieso. Die Konferenz findet vom 30. Mai bis 1. Juni im Palais Niederösterreich in Wien statt. Es sprechen unter anderem Kjell Aleklett, Uppsala University Schweden, Euan Mearns, University of Aberdeen, desöfteren zu lesen bei TheOilDrum, Werner Zittel, Daniele Ganser, Michael T. Klare, Jeremy Leggett, Robert Hirsch und Claudia Kemfert. Dennis Meadows wird zur Diskussionsrunde per Videostream ebenfalls dabei sein: Zum Programm.

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Benzinpreis zwischen “Ökosteuern” und “Pendlerpauschale”

Seitdem Sprit 1,70 Euro kostet hat die deutsche Polit- und Medienlandschaft ein neues Thema gefunden, mit dem man sich (angesichts zahlreicher bevorstehender Landtagswahlen) profilieren kann: "Ökosteuern" und "Pendlerpauschale". Die Diskussion kreist hauptsächlich um die Frage, wie man "den Autofahrer entlasten" kann. "Entlastung", so der Tenor, bedeutet im Sinne der Diskussion die finanziellen Ausgaben zu deckeln. Obwohl wir inflationsbereinigt immer noch im Zeitalter des extrem billigen Sprits leben, müsse das Recht auf verbrennungsmotorisierte Bewegung beibehalten werden, so als ob die Verfassung oder die universalen Menschenrechte vor allem diesen Punkt garantieren.

Die "Ökosteuern" heißen gar nicht mehr so, sie sind vor einiger Zeit entstigmatisiert "Energiesteuern" genannt worden. Das ist ein fester Betrag pro Liter: Seit 2003 sind das 65,5 Cent pro Liter Benzin und 47 Cent pro Liter Diesel. Die Steuern steigen und sinken also nicht mit, wenn der Ölpreis sinkt oder steigt. Die Einnahmen werden zu großen Teilen zum Straßenbau verwendet aber auch zur Quersubventionierung der Rententöpfe. Wer diese Staatseinnahmen senken will, muss also sich also klarmachen, dass im gleichen Maße der Staatshaushalt belastet würde. Die finanzielle "Entlastung" des Autofahrers würde spiegelbildlich eine "Belastung" des Staatshaushalts bedeuten. Jeder Cent, der pro Liter weniger an Energiesteuern erhoben wird, fließt millionenfach weniger in die klammen Staatskassen. Bereits heute nimmt der Staat Jahr für Jahr weniger Geld ein, als er ausgibt, was in dem schönen Wort "Neuverschuldung" gipfelt. Dass die Staatsschuld jemals rückzahlbar ist, ist fragwürdig: Einerseits, aufgrund ihrer schieren Größe, andererseits aufgrund des Geld-Schuld-Mechanismus, der eine Verkleinerung der gesamtgesellschaftlichen Geldschulden nur durch eine Verkleinerung der gesamtgesellschaftlichen Geldvermögen erlaubt. Doch wenn wir die Staatsschuld schneller aufblähen, indem wir Autofahrern heute Steuergeschenke machen, beschleunigen wir den Weg zum Staatsbankrott. Angesichts der fragilen Finanzsituation in Europa könnte sich ein Steuergeschenk als Danaergeschenk erweisen: Steuergeschenke an der Tankstelle kommen als Banken-Zusammenbrüche teuer zu uns zurück. Es sei denn: Der Staat spart beim Straßenbau oder den Renten.

Die "Pendlerpauschale", die eigentlich Entfernungspauschale heißt, erlaubt es dem Steuerzahler bis zu 4500 Euro jährlich für den Weg zur Arbeit als Fahrtkosten anzurechnen und entsprechend weniger Steuern zu bezahlen. "Entlastend" ist dieses Instrument also nur für jene Menschen, die überhaupt Steuern bezahlen. Niedrigverdiener, die wenig oder gar keine Steuern zahlen, profitieren also von der "Pendlerpauschale" gar nicht. Sie zu erhöhen würde bedeuten, vor allem hochbesteuerten Einkommensbeziehern zusätzliche Steuerersparnis zu gewähren. Den Niedrigverdienern, die viel stärker unter den steigenden Spritkosten leiden, käme solch eine Entscheidung gar nicht zugute. Da die Entfernungspauschale jedoch nicht nur Autofahrern, sondern auch Fußgängern, Fahrradfahrern und ÖPNV-Nutzern (unabhängig von ihren tatsächlichen Kosten) gewährt wird, käme ihre Anhebung auch jenen Gruppen zugute, die gar nicht direkt unter den steigenden Spritpreisen leiden. Zweifellos gerecht, aber nicht besonders problembezogen. Wäre es da nicht sinnvoller, die Autofahrer gleich dazu zu ermutigen, sich einer der anderen Gruppen anzuschließen, sich den Sprit zu sparen und die Steuerersparnis dazu einzustreichen? Die Leipziger Verkehrsbetriebe machen derzeit vor, wie man Autofahrern den ÖPNV schmackhaft macht: Dort kann man diese Woche kostenfrei fahren, wenn man seine Fahrzeugpapiere dabei hat.

Angesichts Peak Oil ist diese Diskussion um Steuererleichtungen ja aber eigentlich eine Nebelkerze: Viel Rauch um nichts wirklich Hilfreiches. Die globale Ölförderung läßt sich kaum noch steigern, die neuen Fördermethoden sind teuer, risikoreich und umweltschädigend (Deepwater Horizon, Elgin, Fracking). Weitere Preissteigerungen sind deshalb absehbar. Genau wie die Verknappung des Rohstoffs. Diese Verknappung ist es letztlich, die grundlegendes Umdenken erfordert und sie kann nicht websubventioniert werden.

Weitblickendere oder auch zynische Zeitgenossen, wie das Film-Phantom "Tyler Durden" aus David Finchers Film "Fight Club" würden die Entlastungsfrage eher aus dem Ballast-Blickwinkel betrachten. Oder um es mit dem wohl bekanntesten Zitat aus dem Film zu verschlüsseln:

"Alles, was du hast, hat irgendwann dich."

In diesem Sinne: Zwiespältiges Tanken!

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Rekord-Förderrückgang in Großbritannien

Die ASPO weist auf den Bericht "Energy Trends" von Dezember 2011 des britischen "Department of Energy and Climate Change" hin. Demnach fiel die Ölproduktion des ehemaligen Netto-Ölexporteurs Großbritannien binnen 12 Monaten um 22,5%. Das ist der größte Rückgang seit Überschreiten des britischen Peaks anno 1995. Entsprechend stark sank der Export, so dass Großbritannien nun Netto-Importeur von Mineralöl ist und damit als zusätzlicher Nachfrager auf dem globalen Ölmarkt auftritt - mit entsprechenden Wirkungen auf die Ölpreise.

Auch die Gasförderung sinkt im Rekord. Sie lag binnen 12 Monaten um fast 30% niedriger und ließ die Gas-Importe um über ein Drittel ansteigen. Die Kohleproduktion sank um 10% und die Kohle-Importe stiegen um 42%. Der Energieverbrauch sank im selben Zeitraum um nur 2%, wobei der Verbrauch im Transportbereich um 3% sank, im Industriebereich um ein halbes Prozent, jedoch der Haushalts-Verbrauch sogar um ein halbes Prozent anstieg. Die installierte Kapazität von Photovoltaik-Anlagen verdopppelte sich allein vom 3. zum 4. Quartal 2011 auf etwa 260 Megawatt.

Der Abfall der Förderraten sowohl bei Öl wie auch bei Gas und Kohle ist sehr viel größer als der Abfall der Verbrauchsrate. Dadurch ist Großbritannien gezwungen, verstärkt Energie und Energierohstoffe zu importieren. Um die Energieversorgung krisenfester zu bekommen müßte im Grunde die Verbrauchsrate in derselben Geschwindigkeit sinken, wie die Förderraten. So lange das nicht passiert wird das Land seine Nachfrage auf den internationen Märkten weiter ausbauen und seine zusätzliche Nachfrage wird die Preise für Öl, Gas und Kohle entsprechend treiben sowie die globale Verbrauchsgeschwindigkeit erhöhen. Die Importabhängigkeit stieg im Betrachtungszeitraum um fast 16% auf ein neues Rekordhoch von 42,2%. Großbritannien ist eines der wenigen Länder, die "Energie- und Treibstoffarmut" statistisch untersuchen. Laut jüngstem Bericht galten 2009 4 Millionen britische Haushalte als "treibstoffarm".

Vom 2. zum 3. Quartal 2011 gab es einen starken Sprung in den Such- und Entwicklungs-Aktivitäten der Öl- und Gasförderer an Land, während die Entwicklung bekannter Quellen im Meer stark zurückging. Seit Ende 2008 importiert Großbritannien steigende Mengen von Flüssiggasen, insbesondere aus Katar. Ende 2011 machte diese Quelle etwa die Hälfte des Import-Gases aus und fast ein Drittel des Gasverbrauchs. Da Flüssiggas üblicherweise in entsprechenden Tankern transportiert wird, sollte Großbritannien ein starkes Interesse daran haben, dass die Seestraße von Hormuz offenbleibt. Ein Konflikt würde Großbritannien frieren lassen, aber auch die zu fast 50% auf Gas basierende Stromversorgung gefährden. Aus diesem Blickwinkel dürfte es interessant sein, die britische Haltung zum Iran-Konflikt zu beobachten.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die (deutschsprachige) Medienlandschaft in ihrer Benzinpreisanalyse auch solche Fundamental-Entwicklungen anschaut.

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Peak Oil kommt in die Diskussion

So hart die hohen Benzinpreise für den einzelnen Autofahrer auch sind, sie sorgen für Belebung einer Debatte, die lange nicht geführt wurde aber längst überfällig ist. So titelt das Handelsblatt mit Verweis auf den Deutschen Industrie- und Handelskammertag: "DIHK warnt eindringlich vor zu hohen Benzinpreisen". Die Anschaffungskosten für Energie und Rohstoffe werden von den Industrievertretern als "Geschäftsrisiko Nummer eins" bezeichnet. Allerdings wird die Marke von 2 Euro als wichtiger Meilenstein gesehen - und davon sind wir ja weiterhin 30 Cent entfernt.

Auch im TV werden die Benzinpreise diskutiert, (mehr …)

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Der Pendler-Rechner + TV-Hinweis

Der Pendler-Rechner ist vor einigen Jahren entstanden, um das Problem der Fahrtkosten mal ganz banal auf Stundenlöhne runterzubrechen. Dabei ist natürlich einige Ungenauigkeit vorhanden, insbesondere was steuerliche Fragen betrifft. Da aber letztlich relevant ist "was hinten rauskommt", können jene, die halbwegs eine Übersicht über ihr Einkommen, ihre Fahrzeiten und ihre Fahrtkosten haben, sich mal kalkulieren lassen, wie sich ihre Stundensätze entwickeln, wenn die Fahrtkosten steigen:

TV-Hinweis: Für morgen früh (Freitag, 30.03.) zwischen 8:30 und 9 Uhr bin ich (für 4 Minuten) ins ARD Morgenmagazin eingeladen, um die Diskussion zu Benzinpreisbremse und Energiesteuern zu kommentieren.

Bei der heutigen Lausitzer Energiekonferenz in Lauchhammer waren ca. 80 Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter da, die alle still meinem Vortrag zum Thema "Die Bundeswehrstudie zu Peak Oil und ihre Bedeutung für Kommunen" lauschten. (Artikel der Lausitzer Rundschau, Büro für postfossile Mobilität Regionalentwicklung!)

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Ölschwemme, Reservenfreigabe und Benzinpreisbremse: Politik und Analysten üben Preissenken

Bei der Onlineausgabe der englischsprachigen Financial Times sind die hohen Ölpreise heute Titelstory. Allerdings nur für registrierte Nutzer lesbar. SPIEGEL ONLINE zitiert mit Verweis auf die FT Marktanalysten, die einen niedrigeren Ölpreis in der Zukunft vorhersagen, dass künftig die Ölpreise ordentlich sinken werden, ja sogar eine "Ölschwemme" erwartet wird. Ihre Quelle: Die Future-Preise beim Öl, die beispielsweise für die Lieferung eines Barrels im Dezember 2018 nur 95 US$ ausweisen. Wer also heute ein Fass Erdöl zur Lieferung im Dezember 2018 über diese Future-Märkte kauft, erhält dieses zu eben jenem Preis (vorausgesetzt der Lieferant existiert dann noch). Übersehen haben die Marktanalysten möglicherweise die Selbstkritik der EZB, die an neuen Projektionswerkzeugen arbeitet, denn: Mit Blick auf eben diese Future-Preise hat die Europäische Zentralbank die Ölpreise der Zukunft regelmäßig unterschätzt und prüft deshalb derzeit die eigenen Methoden. Wichtig ist der künftige Ölpreis für die Prognose der Inflationsraten, die ihrerseits auf die Geldpolitik der EZB und die Auswahl der richtigen (!) Handlungen Auswirkungen hat. Die offizielle Teuerung bei Kraftstoffen zwischen Januar 2002 (Einführung des Euro) bis Dezember 2011 liegt in Sachsen übrigens bei 58,2%, bei Heizöl sogar bei 164,3% (Quelle: Statistisches Landesamt). (mehr …)

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Elgin: Neuer Höhepunkt des fossilen Zeitalters

Das fossile Zeitalter hat möglicherweise einen neuen Höhe- oder besser Tiefpunkt erreicht: Die Bohrinsel Elgin in der schottischen Nordsee wurde evakuiert, weil große Mengen Erdgas ausgetreten sind. Die entstehende Wolke ist explosiv und enthält hochgiftiges Schwefelwasserstoff - das Gas, nach dem auch faule Eier riechen. Neben Elgin wurden auch zwei benachbarte Plattformen evakuiert, eine Zwei-Meilen-Sperrzone für Schiffe und eine Drei-Meilen-Sperrzone für Flugzeuge eingerichtet. Es ist schwer vorstellbar, dass Probleme auf der Plattform direkt dort behoben werden können. Deshalb denkt man nun offenbar über eine Entlastungsbohrung nach, deren Installation offenbar mehrere Monate dauern kann.

Mangels Strom liefert die Plattform keine aktuellen Daten. Ferndiagnose ist demnach schwierig. Die Fördermengen der Plattform entsprechen 3% der britischen Gas- und 5,5% der britischen Ölfördermengen. Die sowieso seit der Jahrtausendwende sinkende Öl- und Gasförderung Großbritanniens wird der Unfall nicht verbessern:

Was an Umweltschäden dazukommt dürfte die Kernfrage in den kommenden Wochen sein. Das Ereignis erinnert nicht nur fatal an die Katastrophe im Golf von Mexiko, es erinnert auch an Szenen aus dem Thriller "Der Schwarm" von Frank Schätzing. Dort spielt Methanhydrat eine große Rolle und auf dem Meer aufsteigende Gasblasen versenken so manches Schiff.

Die neuerliche Katastrophe läßt erahnen, was im Peak-Oil-Umfeld für großes Stirnrunzeln sorgt: Die Risiken der Förderung nehmen immer weiter zu. Nachdem die einfach zu erreichenden Lagerstätten längst erschlossen und in vielen Fällen ihre lokalen Peaks längst hinter sich gebracht haben, werden immer häufiger Lagerstätten erschlossen, deren Ausbeutung risikoreich und teuer sind - mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten, auch Umweltkatastrophen mit sich zu bringen. Insbesondere die Tiefseeförderung ist schwierig. Von schwimmenden Plattformen werden mehrere hundert Meter durch Meerwasser und dann mehrere hundert Meter durch den Meeresboden gebohrt, um das dann geförderte Öl oder Gas in hunderte Kilometer langen, auf dem Meeresboden liegenden Pipelines an Land zu transportieren. Unwettern und Erosion sind die Teile dieser komplexen Struktur ausgesetzt und ihr Aufbau ist kosten- und energieintensiv. Es ist nur mit massiver maschineller Unterstützung möglich, überhaupt "Hand" an die Bauteile dieser Förderstrukturen zu legen. Ohne Maschinen wird nie ein Mensch jenen Punkt anfassen, an dem die Bohrung in den Meeresboden geht - ein direkter menschlicher Eingriff ist also, im Gegensatz zu Bohrungen an Land, unmöglich. Die Hoffnungen, weitere Ölvorräte in den Ozeanen zu finden, muss mit dem Bewusstsein einhergehen, dass die Aufrechterhaltung unseres heutigen Verbrauchs durch zusätzliche Risiken für jene Umwelt erkauft wird, die unsere Lebensgrundlage darstellt. Gerade heute wurde auch über Schäden berichtet, die die Deepwater Horizon-Katastrophe an Korallen im Golf von Mexiko hinterließ.

Zwar sind noch sehr große Mengen Öl und Gas unterirdisch verfügbar, aber Kosten und Risiken steigen. "Peak Oil" wird deshalb immer wieder auch übersetzt mit der Ansage: "Das Ende des billigen Öls".

Weitere aktuelle Infos:

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