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Weitere Peak-Oil-Anzeichen: BP im Sinkflug

BPs Chefökonom Christof Rühl ist von Hause aus Makroökonom und Wachstumstheoretiker. Er gehört zu den standfesten Peak-Oil-Leugnern, ausgehend von dem einfachen volkswirtschaftlichen Modell: Wo Knappheit herrscht, steigen die Preise. Wo die Preise steigen, wird das Angebot wachsen und die Knappheit besiegt. In einem BP-internen Interview von 2006 hörte sich das beispielsweise so an:

Nein, wir sind auch beim Öl noch nicht ressourcenbeschränkt. [..] Aber es gibt hier prinzipiell keine Mengenbeschränkung. Man sollte sich daher das weltweite Angebot des Rohstoffes "Öl" als eine normale, steigende Angebotskurve vorstellen und eben nicht wie ein Glas Wasser, das im Moment halbvoll ist und daher in absehbarer Zeit ganz erschöpft sein wird.
[..]
Ich meine, es wird mehr Öl auf den Markt kommen, solange die Menschheit bereit ist, einen höheren Preis zu bezahlen. Was mir wichtiger erscheint als die Fiktion des "Peak Oils", ist die Tatsache, dass dieser Preis nicht nur aus höheren Produktionskosten besteht, sondern auch aus höheren Kosten für die Umwelt. Die Produktion von Öl aus Ölsand oder -schiefer z.B. ist insgesamt wesentlich umweltschädlicher als die traditionelle Ölförderung. Die Anreize, sich nach alternativen Energie- und Treibstoffquellen umzusehen, werden eher aus umweltpolitischen Gesichtspunkten heraus wichtiger werden als wegen der fiktiven Knappheit der Ressource Öl.

Seit 2009 hat die Firma des Wachstumstheoretikers ein seltsames Problem: Die Fördermengen des Konzerns schrumpfen. Die "fiktive Knappheit der Ressource Öl" ist in den Bilanzen des Konzerns recht klar sichtbar. Die Zahlen hat sich Matt Mushalik genauer angeschaut, nachdem BP ankündigte, eine große Raffinerie in Australien zu schließen:

Von 2004 bis 2009 förderte BP etwa 2,5 Millionen Fass Erdöl täglich. Seitdem ist die Tagesförderung auf 2 Millionen Fass gesunken. Mushalik stellt dieser Entwicklung die Raffineriekapazitäten von BP gegenüber. Es ist feststellbar, dass die Firma ihre Raffineriekapazitäten konsequent an die eigenen Fördermengen anpasst. Sie schrumpften von 2,7 Millionen Barrel Verarbeitungskapazität in den Jahren 2005 bis 2012 auf nun etwa 2 Millionen Barrel Kapazität in 2013:

Mushaliks Fazit: BP sei "im vollen Peak-Oil-Modus".

Globale Rohöl-Import-Export-Bilanz seit 2005 stagnierend

Man könnte über die Naivität von Wachstumstheoretikern wie Christof Rühl lachen, wenn jene naiven Vorstellungen der Welt nicht weit verbreitet in Management-Kreisen wären und teils immer noch an Universitäten gelehrt werden. Wechselwirkungen mit der realen Welt werden oft genug auf der wirtschaftswissenschaftlichen Ebene ignoriert. Bezüglich Australien ist da die Tatsache, dass die schließende Raffinerie bislang Rohöl aus einer Vielzahl von Ländern verarbeitete. Die nach ihrer Schließung zusätzlich zu importierenden Benzin-, Diesel- und Heizöl-Mengen kommen aus weitaus weniger Ländern: Australien wird plötzlich sehr abhängig von Singapurs Raffinerien, wobei Singapur wiederum stark abhängig von Rohöl aus dem arabischen Raum ist. Matt Mushalik sieht daher die Versorgungssicherheit Australiens zunehmenden Risiken ausgesetzt - eine Situation die Europa durch die große Öl- und Gas-Abhängigkeit von Russland teilt.

Da die weltweiten Import-Export-Ströme von Rohöl seit 2005 nicht mehr steigen, während der asiatische Anteil an den Importen rasant wächst, sieht Matt Mushalik steigende Ölpreise am Horizont. Da er erwartet, dass der Fracking-Output in den USA noch vor 2020 sein Maximum erreichen wird, sieht er auf Australien schmerzvolle Entwicklungen zukommen:

Die von Mushalik getroffene Aussage, dass die USA spätestens 2020 ihr zweites Ölfördermaximum erreichen werden, ist nicht aus der Luft gegriffen. Auch die US-amerikanische Energiestatistikbehörde EIA erwartet das Maximum der Ölförderung durch Fracking in 2016. Da das Fracking-Öl der einzige Wachstumstreiber für die US-Ölförderung ist, bedeutet ein Maximum beim Fracking-Öl auch ein Maximum der gesamten US-Ölförderung. Da die globale Ölförderung nur noch deshalb wächst, weil die USA Fracking einsetzen und Kanada Teersande auswäscht bedeutet ein neues Ölfördermaximum in den USA mit großer Wahrscheinlichkeit auch das Erreichen des globalen Ölfördergipfels. Ein Oil-Peak in den USA wäre somit zugleich ein Oil-Peak weltweit.

(Übrigens: Warum hört man nichts mehr von Australiens gigantischem Ölfund? Alles Schall & Rauch?)

Ron Patterson: Peak Oil spätestens 2017

Aus diesen Überlegungen heraus hat sich nun auch Ron Patterson von PeakOilBarrel.com festgelegt. Er schreibt, dass er bisher Voraussagen über den Eintrittszeitpunkt des globalen Ölfördermaximums vermied, weil er befürchtete, die Wachstumstheoretiker würden ihm Fehleinschätzungen hinterher aufs Butterbrot schmieren und seine Glaubwürdigkeit untergraben. Nun legt sich Patterson fest: Das globale Ölfördermaximum wird nach seiner Einschätzung spätestens 2017 erreicht:

I strongly believe the peak will be in 2016 but it could be a year or two earlier but no later than 2017.

Er schlußfolgert das insbesondere aus den EIA-Vorhersagen. Diese sehen die US-Ölförderung auf ihr zweites Ölfördermaximum zulaufen: Eben 2016.

Leerlauf in den Anpassungsmaßnahmen

Die Diskussion um das genaue Eintrittsjahr des Ölfördermaximums ist jedoch eher eine akademische Disziplin. Viel relevanter als das Jahr des Peaks sind die Dynamiken, die sich im Ölmarkt, in den Weltwirtschaftsstrukturen sowie im Logistik- und Transportbereich ergeben. Viel wichtiger als das Eintrittsjahr sind auch die Anpassungsdynamiken, die die gewachsenen Strukturen vollziehen werden. In der Ölindustrie sind gewisse Dynamiken bereits derart sichtbar, dass trotz eines vierfach höheren Ölpreisniveaus im Vergleich zu 2003 die Gewinne wegen der steigenden Förderkosten schrumpfen. Die Hochrechnungen des Hirsch-Reports, nach denen eine Gesellschaft 20 Jahre Zeit braucht, um den zu erwartenden Problemen zu entgehen und 10 Jahre Zeit, um die Probleme angemessen abzumildern, sind bei einem Peak-Oil-Horizont bei 2017 hinfällig. Sie wären noch einhaltbar, wenn die Voraussagen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bis zum Äußersten gestreckt würden: Die Behörde sagt, das globale Ölfördermaximum wird spätestens 2036 eintreten. Die Vorhersagen von Mushalik und Patterson passen in diese großzügig hoffnungsfrohe Vorausschau der BGR.

Noch lassen sich die meisten Unternehmer, Manager und Politiker von Blendern wie Christof Rühl an der Nase herumführen. Seine Vita täuscht leicht darüber hinweg, dass auch hochdekorierte Menschen unpassend schlichten Weltbildern anhängen können. Für BP jedenfalls gilt:

Ja, wir sind beim Öl seit 5 Jahren ziemlich ressourcenbeschränkt. [..] Es gibt hier prinzipiell eine Mengenbeschränkung. Man sollte sich daher das weltweite Angebot des Rohstoffes "Öl" als eine normale, absteigende Angebotskurve vorstellen; eben ähnlich wie ein Glas Wasser, das im Moment halbvoll ist und daher in absehbarer Zeit ganz erschöpft sein wird.

Wohl jenen Städten und Dörfern, die ohne Öl funktionsfähig sind.

 

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14 Kommentare to “Weitere Peak-Oil-Anzeichen: BP im Sinkflug”

  1. Roland Mösl sagt:

    Ich hatte befürchtet, ich hätte in meinem Buch die Dummheit und Ignorranz der Wirtschaftswissenschaftler überzeichnet.

    Doch in einer Diskussion NEOS intern wurde ich eines besseren belehrt. Auf die Frage wie die Wirtschaft auf Peak-Oil vorbereiten, forderte man mich auf eine lange Liste wirtschaftswissenschaftlicher Arbeiten zu lesen, dass Peak-Oil gar nichs ausmacht. Ich wurde am 26. Februar schließlich bei NEOS von der EU-Liste gestrichen, weil die Erwähnung von Peak-Oil für diese parteischädigendes Verhalten darstellt.

    Ich werde unmittelbar nach der EU Wahl die Gründeung einer neuen Partei bekannt geben, welche die Probleme der Menschhit ernst nimmt und Peak Oil ist ein sehr ernstes Problem.

    • Tom Schülke sagt:

      Von mir alle guten Wünsche für die neue Partei.

      In Deutschland gibts nach meiner Kenntnis derzeit n ur eine einzige Partei die Peak oil und Post-Wachstums Ökonomik auf dem Schirm hat. Und das sind nicht !!! die Grünen.

      man könnte wütend werden wie blind wie ignorant und manchmal wie Überheblich die vertreter des Glaubens an ewiges Wachstum sind.

  2. Michael Egloff sagt:

    Die 3 Charts sind höchst interessant, Norbert. Vor allem der Dritte.
    Woran lag es, dass sich die Situation auf dem Weltöleexport-/importmarkt nicht noch stärker anspannte? Und werden diese entspannenden Faktoren weiter in der bisherigen Form wirken?
    Schauen wir uns die Details an:
    1. die größte entspannende Wirkung ging in den letzten 15…20 Jahren wohl von Russland aus. Dort gab es einen ausgeprägten umgekehrten ELM-Effekt.
    Zunächst brach auf Grund der ökonomischen Krise der Eigenverbrauch stark ein, ab Ende der 90er Jahre ging dann die Förderung in Russland deutlich und beständig nach oben.
    Jetzt beginnt sich die Entwicklung zu drehen: die Fahrzeugverkäufe in Russland waren in den letzten Jahren sehr stark und der Eigenbedarf beginnt wieder zu steigen. Eine weitere Steigerung der russischen Ölförderung ist hingegen kaum noch zu erwarten. Eine sinkende Förderung ist wahrscheinlicher, wobei Russland in den letzten Jahren schon „positiv“ überrascht hat und immer noch eine kleine Schippe drauflegen konnte. Sollte der ELM-Effekt in Russland wieder deutlich in die „normale“ Richtung umswitchen, womit ich rechne, dann hat das gravierende Auswirkungen auf
    das Angebots-/Nachfrageverhältnis auf dem Weltölmarkt.

    2. die USA waren ebenfalls für eine positive Überraschung gut. Der Chart der Ölförderung hat die Warner vor einer baldigen Ölknappheit auf dem falschen Fuß erwischt – das muss man zugeben.
    Wenn nun selbst die EIA das Maximum des Fracking-Booms für 2016 ansetzt, was ich für realistisch halte, und auch das Maximum der Tiefseeölförderung wohl noch bis 2020 überschritten wird, dann hieße das, dass sich ab etwa 2020 alle Segmente der US-Ölförderung im Decline befinden. Erstmalig!
    Das hieße wiederum, dass dann die US-Gesamtölfördermenge recht zügig schrumpfen würde. Da die USA einen sehr hohen strukturellen Ölverbrauch haben (Siedlungsstruktur), würden dann die benötigten Importmengen wieder sehr stark ansteigen. Eine Substitution durch Gas wird ab den 20er Jahren auch nicht mehr möglich sein, weil auch die Gasförderung bei dann erhöhtem Verbrauchsniveau (mehr gasbetriebene Stromkraftwerke) wieder deutlich schrumpfen wird. So jedenfalls meine Annahme – entsprechend auch den Prognosen der EIA. Denn die konventionelle Gasförderung in den USA schrumpft ja schon seit Langem unwiderruflich.

    3. die „Newcomer“ wie Angola, der Sudan, die mittelasiatischen GUS-Staaten usw.
    Auch die hatten eine deutliche Entspannungswirkung auf den Weltölexportmarkt in den letzten 15 Jahren.
    Hier ist zu konstatieren, dass viele dieser Newcomer – z.B. Angola oder Aserbaidschan – nahe am Peak sind oder diesen sogar schon leicht überschritten haben. Kasachstan scheint noch Steigerungspotenzial zu haben, aber insgesamt ist durch die Newcomer der letzten 15 Jahre keine weitere Entspannungswirkung mehr zu erwarten.

    Neue Newcomer? Da fällt mir nicht viel ein.
    Klar: Kanada wird die Förderung noch ausweiten, ist bei einem derzeitigen Exportvolumen von ca. 1,3 mb/d aber auch kein Schwergewicht im globalen Ölexport.
    Die brasilianische Mehrförderung wird durch den sehr stark steigenden brasilianischen Eigenbedarf absobiert und Brasilien ist immer noch ein Ölimportland. Und wird es vermutlich bleiben.
    Lediglich der Irak könnte bei einer Verbsserung der innenpolitischen Situation (?) für eine deutliche Mengensteigerung der Ölexporte gut sein.

    Fazit: die bisherigen entspannenden Faktoren werden in aller Regel an ihr Ende kommen in den nächsten Jahren, während sowohl der Eigenbedarf vieler Ölexportländer weiter kräftig anzieht (alleine schon aus demographischen Gründen). Die Weltölexportmenge dürfte also ab vermutlich etwa 2017 ff erstmals deutlich absinken, die Nachfrage aus China, Indien und vielen anderen Schwellenländern aber weiter stark ansteigen. Und spätestens ab 2020 auch aus den USA.
    Innerhalb der nächsten 10 Jahre wird sich also die Angebots-Nachfragerelation auf dem Weltölmarkt vermutlich drastisch verändern, sprich anspannen.
    Und für etwa Mitte/Ende der 20er Jahre vermute ich dann ein Ereignis, das den Anspannungssprozess plötzlich weiter beschleunigen wird: wenn nicht mehr zu verschleiern ist, dass die Reserveschätzungen wichtiger OPEC-Länder – allen voran Saudi-Arabien – das Papier nicht wert sind, auf denen sie gedruckt sind.

  3. Daniel Bühl sagt:

    Vielen Dank Herr Egloff, für diese treffende Analyse!
    -> Was dabei noch dazu kommt: Diese Szenarien könnten sich ja durch geopolitische Risiken nochmals deutlich verstärken bzw. verfrühen..(siehe aktuelle Lage) Damoklesschwert at its finest!

  4. Florian Hoppe sagt:

    Tja, die Citgroup sieht das anders.
    http://online.barrons.com/news/articles/SB50001424053111903536004579459323209921860#articleTabs_article%3D1

    Ist nicht das erste Mal in den letzen Wochen, dass einer mit der „80er Strategie“ kommt um die Russen in die Knie zu zwingen.

    http://www.fool.com/investing/general/2014/03/30/america-may-have-just-unveiled-a-new-weapon-to-com.aspx

    Ölförderer wie Chevron halten hingegen dagegen und glauben, dass die Preise steigen werden.

    blogs.platts.com/2014/04/09/citi-chevron-oil-price/

  5. Florian Hoppe sagt:

    @ Hr. Mösl: Die Einstellung der NEOs ist bedauerlich, aber nicht überraschend.

    Nur die wenigsten Ökonomen haben den Energiefaktor wirklich verstanden.

    Ich hab ja letztens wieder Jeremy Rifkin gelesen, wo er den Nobelpreisträger Robert Sollow zitierte.

    „Nur 14% des Kapiteleinsatzes pro Arbeiter sind für das tatsächliche Wirtschatswachstum in den USA und Co. verantwortlich. Die anderen 86% können wir nicht erklären.“

    Und dann zitiert er den Physiker Reiner Kümmel, sowie den Professor für Umwelt und Management Robert Ayres, welche beide Energie als den fehlenden Faktor bezeichnen.

    • Finde es dann besonders lustig, wenn die Pensionisten den Jungen vorjammern sie hätten so viel gearbeitet. Egal ist vermutlich nur vorgeschoben um auf Pump noch die volle Pension zu genießen. Wenn tatsächlich die Ökonomen den Faktor Energie verstanden hätten, dann wäre die Aufmerksamkeit viel höher. Die Neos und Grünen machen Tagespolitik wie alle anderen auch. Es gibt weder eine Klima noch eine Ressourcen Politik. Wir müssten sofort Komplexität aus dem System nehmen, aber das wäre zu radikal. Die industrielle Zivilisation wird ausklingen. Und es sollte zumindest laut darüber nachgedacht werden. Aber mit solchen Ideen wie mehr bodenständigen Steampunk oder Low Tech statt Klicki Bunti Trekkie Fantasien, sind weder Leser noch Wähler zu gewinnen. So wird jedem weiterhin immer mehr versprochen. Anstatt unsere Inneren und Äusseren Grenzen zu akzeptieren. Es ist viel einfacher über Ausländer Oder Links gegen Rechts zu diskutieren als über eine von Energie eingeschränktere Zukunft. Denn unser System ist wie ein Terry Pratchett Universum aufgebaut: Ein Pyramiden Spiel bzw. Blase wurde über die andere gebaut…und diese Illusion zerfällt gerade. Gut finde ich momentan die Beiträge dazu auf collapseofindustrialcivilication.com

  6. Michael Egloff sagt:

    Hier wieder etwas Aktuelles zum Thema Russland-Ukraine-EU:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ukraine-putin-warnt-eu-vor-engpaessen-beim-gas-a-963735.html

    Zitat:

    „Wenn sie die Abhängigkeit minimieren möchten, werden sie von anderen abhängig sein“, sagte er. Russland wiederum habe andere potentielle Partner für Energielieferungen – ein klarer Hinweis auf asiatische Staaten wie China. Mit der Regierung in Peking will Russland schon im Mai einen wichtigen Gasliefervertrag abschließen.

  7. Frank Bell sagt:

    „Die industrielle Zivilisation wird ausklingen.“

    Warum glaubt ihr, dass das schnell geht?

    Meiner Meinung nach werden die Staaten in ihrer Verzweiflung, bevor der Bürger es realisiert, die Atomenergie MASSIVST ausbauen.

    Und wie sieht es mit den Kohlevorräten aus?

    Ich habe mal die Zahl 600 Jahre vernommen, bezweifle aber, dass die weltweiten Kohlevorräte wirklich so lange halten werden. Jedenfalls steckt in dieser Zahl sehr viel minderwertige Kohle, so z.B. stark schwefelhaltige Kohle.

    • Ert sagt:

      @Frank

      ich gehe auch davon aus. Kohle ist auch ein Dilemma… da wird Caol-To-Gas (CTG) wohl noch für massiv Dreck sorgen.

      Zur Atomperspektive habe ich geschrieben: „Aktuell werden weltweit ca. 378 AKW mit ca. 440 einzelnen Reaktoren betrieben. Basierend auf konkreten Neubauten (+64), Planungen (+164) und Vorplanungen (+308) wird sich dieser Bestand wohl auch nach Fukushima innerhalb der nächsten Jahrzehnte vergrößern, wie Bild 9 wiedergibt.

      So forcieren insb. China und Indien große Programme um mit AKW den wachsenden Energiebedarf zu decken. Zwar verfügen beide Länder noch über relativ große Kohlevorräte – die Nutzung dieser ist sind aber mit massiven Umweltproblemen verbunden und benötigt zudem eine gute Infrastruktur um die Kohle auch in die Kraftwerke zu transportieren.

      Herr H.W. Sinn (IFO), von dem das Bild 9 stammt, schließt denn auch seinen Vortrag über die (deutsche) „Energiewende ins nichts“ mit der These ab, das auch Deutschland den Atom-Ausstieg umkehren wird, u.a. da die EE keine skalierbare Lösung und der Atom-Ausstieg auch noch nicht gesichert sei. Für eine Renaissance der Atomkraft verweist er so insbesondere auf China, das aktuell stark im Bereich der in Sektion 2.4.7.2 besprochenen Thorium- und IFR Brütertechnologien forscht und entwickelt sowie den Bau verschiedenster Reaktoren- und Typen plant. Herr Sinn, der in Deutschland ein sehr großes wirtschaftliches Spektrum an Entscheidern erreicht, zeigt in seiner (mit tendenziellen Floskeln unterlegten) Präsentation zwar Probleme der EE auf, aber seine Vergleiche hinken – insbesondere im Vergleich zu den Kosten vom AKW, die er mit nur 2 Milliarden pro ca. 1GW AKW Block angibt – und dabei alle Betriebs-, Rückbau und Entsorgungskosten vernachlässigt.“

      Die Chinesen drücken insb. bei LFTR auf die Tube und wollen in 10 Jahren einen funktionsfähigen Reaktor haben: „Chinese going for broke on thorium nuclear power, and good luck to them, Guardian, 19.3.2014“http://blogs.telegraph.co.uk/finance/ambroseevans-pritchard/100026863/china-going-for-broke-on-thorium-nuclear-power-and-good-luck-to-them/

      Abschließender Hinweis:die Kernenergie sehe ich als absolut Problematisch an… ich habe dazu alleine 2 Seiten in meinem Text dazu – und gemessen des Gesamtumfangs ist das sehr viel.

    • Michael Egloff sagt:

      Hallo Frank,
      zur Atomenergie: die Zahl der AKWs weltweit wird in den nächsten 20 Jahren ZURÜCKGEHEN, trotz der Neubaupläne in etlichen Ländern.
      Denn die vielen Anlagen aus der Blütezeit der Atomenergie in den 1970er Jahren kommmen dann auch bei Laufzeitverlängerung an das Ende ihrer Laufzeit. Es gibt keine Anzeichen, dass die gewaltigen jährlichen Zubaumengen der 70er/Anfang 80er Jahre zukünftig wieder erreicht werden.
      Und wei hoch ist der Anteil der Kernkraft an der globalen GESAMTenergiemenge, die von Menschen verbraucht wird? um die 2%, glaube ich – 7% der weltweiten Stromproduktion.
      2% kann man als Peanuts bezeichnen.

      Zur Kohle: 600 Jahre ist genau das statische Denken, das einen in die Irre führt. Wobei diese Zahl ohnehin deutlich zu hoch angestzt sein dürfte – selbst bei statischer Betrachtungsweise.
      Wie ungeignet statische Reichweitenbetrachtungen sind, zeigt schon die Tatsache, dass in nur 20 Jahren das kohlereiche China seine statische Kohlereichweite mal eben gedrittelt hat, von 180 Jahren im Jahr 1990 auf 60 Jahre im Jahr 2010. Mittlerweile dürften sie schon klar unter 60 Jahren liegen.
      Und wie Du schon schreibst: die Qualität (und Erreichbarkeit) der Kohlevorkommen ist extrem unterschiedlich. Der Energieeinsatz für eine Kohlemenge, die eine bestimmte Energiemenge liefert, wird also immer größer werden.
      Und auch die Kohleförderung in heitigen Mengen und zu heutigen Preisen ist ölbasiert. Was geschieht z.B. in 50 Jahren, wenn zumindest in den ölimportabhängigen Ländern dieses Öl praktisch nicht mehr zur Verfügung steht und die auszubeutenden Kohleflöze immer minderwertiger und schwerer erreichbar sowie von geringerer Mächtigkeit sind? Wird dann wieder mit Hacke und Schaufel gefördert? Dann doch aber keineswegs mehr die heutigen Mengen, oder?
      Und zur Erinnerung: Deutschland hat die Schätzungen über die inländischen förderbaren Steinkohlereserven vor einigen Jahren um 99% verringert.

      Das Thema statische Reichweite sollten wir den analytisch nicht begabten Menschen überlassen.

      Und nebenbei: 600 Jahre weitere Kohleförderung auf heutigem Niveau (und Verbrennung dieser Kohle) würde vermutlich das Ende der Menschheit auf der Erde bedeuten.
      Freuen wir uns also darüber, dass das Kohlezeitalter in heutiger Dimension seeeehr viel früher zu Ende sein wird.

      Und noch ein Fakt: mehrere hundert Millionen Tonnen Steinkohle verbrennen durch die exzessive Förderung heute schon unter der Erde. Und jedes Jahr werden die Kohleflözbrände zahlreicher.
      Von „Ewigkeitsschäden“ in teils dicht besiedelten Gebieten wollen wir garnicht erst sprechen…

  8. Ert sagt:

    Ich weiss nicht wer es sich ansehen möchte – aber vorab mal die Links und bei Interesse würde ich das gerne hier für das Blog mal aus meiner eigenen Perspektive zusammenfassen – wenn Norbert mit Vorab grünes Licht dafür gibt. Vorab: Meine Perspektive ist extrem düster.

    Die AR5 Gruppe des IPCC hat Ihren Bericht veröffentlicht… scheint bei weniger als aktuell 2000 Youtube-Views in über 2 Wochen weniger interessant ans Katzenvideos oder DSDS zu sein: https://www.youtube.com/watch?v=bZONwnqWFe8

    Wer die Kurzzusammenfassung als Podcast der wichtigsten Statements des IPCC Berichtes hören möchte – Radio EcoShock hat das was sehr gutes (ca. 20 Min.): http://www.ecoshock.org/downloads/climate2014/ES_IPCC_WGII_Wrap.mp3

    In Kürze:
    – Der Klimawandel ist da
    – Wir sind mitten drin
    – Es geht nur noch darum das schlimmste zu vermeiden

    Im Detail alles aus seitens des IPCC ziemlich heftig.. und das IPCC betrachtet nur den Klimawandel bis zum politischen 2 Grad C Ziel…. wobei man wissen muss, das das was das IPCC sagt der politische Konsens aller Mitglieder ist – also wohl viel milder ausfällt als es eigentlich ist. Das wir die 2C aber vor 2050 deutlich reißen werden bezweifelt auch kaum einer, der sich mit der Materie beschäftigt…. so möchte ich nicht zu viel vorweg nehmen.

    • Tom schülke sagt:

      Hallo Ert.
      Gail Tverberg hat auf ihrem blog, finate world, gerade das selbe Thema am wickel. Sie vertritt die ansicht, das eher das unterste Scenario des IPPC realistisch ist weil sie erwartet, das das system nach peak oil massiv schwierigkeiten haben wird die vom IPPC angenommenen mengen an kohlenwasserstoffen überhaupt noch freizusetzen. Auch die nachfolgenden posts sind lesenswert. Ich selbst habe den eindruck, das derzeit nur schwehr einzuschätzen ist, welche folgen po letztlich auf den klimawandel haben wird. Wie verzweifelt werden die menschen dann versuchen die Bude warm zu bekommen. Wie gross wird dann ihr vermögen sein kohle zu verflüssigen. Und ich folge Gail Tverberg bei Ihrer befürchtung, das danach die letzten Wälder gefahr laufen in der verzweiflung der menschen abgeholzt zu werden, wenn die entsprechenden Rechtssysteme nicht drakonische strafen dagegen erlassen.

      Hier der link
      http://ourfiniteworld.com/2014/04/11/oil-limits-and-climate-change-how-they-fit-together/

    • Patrick sagt:

      Hallo Ert,

      ich bin zwar noch nicht dazugekommen, mir deine Links anzusehen bzw. anzuhören, aber ich fände es allemal interessant, zu hören, was zu zu sagen hast.

      Diese kleinen Ausschnitte, die du bisher von deiner persönlichen Zusammenfassung gezeigt hast, lassen doch auf eine hohe Qualität schließen. Also, gerne mehr davon…

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