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ExxonMobil zwischen Kurdistan, Irak und China

Der Irak ist eine der größten Ölhoffnungen: Ihm widmete der jüngste Jahresbericht (WEO) der Internationalen Energieagentur ein eigenes Kapitel. Dabei ist aus geostrategischer Sicht nicht nur wichtig, wie schnell die fünftgrößten Ölreserven der Welt ausgebeutet werden, sondern auch, durch wen das geschieht. SPIEGEL ONLINE berichtete jüngst, dass einer der drei großen chinesischen Energiekonzerne, PetroChina, den Anteil von Exxon Mobil an dessen südöstlichem Ölfeld West Kurna-1 (West Qurna 1) übernehmen könnte. West Kurna ist mit 43 Milliarden Barrel förderbaren Reserven das zweitgrößte Ölfeld der Welt, direkt nach dem saudischen Ölfeld Ghawar. Exxon Mobil hält seit Anfang 2010 60% an den Förderrechten, 15% hält Shell und 25% das irakische Staatsunternehmen Oil Exploration Company. Bis zum Sturz Saddam Husseins war es der russische Lukoil-Konzern, der West Kurna entwickelte, und der jetzt nur noch an West Kurna 2 beteiligt ist. (weiterlesen …)

IEA-World Energy Outlook 2012 – Peak Oil abgesagt?

Gestern wurde der jährliche World Energy Outlook (WEO) in London vorgestellt, heute wird der Energie-Bericht in Berlin präsentiert. Aus den bisher öffentlich zugänglichen Dokumenten läßt sich hinsichtlich Öl und Peak Oil folgendes herauslesen:

  • Die USA können bis 2030 einen Selbstversorgungsgrad mit Öl und Gas von 100% erreichen. Bis 2020 soll das Land zum größten Ölförderer werden und Saudi Arabien überholen. Der internationale Ölhandel konzentriert sich demnach in Richtung Asien, wo auch die größten Verbrauchs-Zuwächse zu finden sind. Diese Entwicklung gilt jedoch als Anomalie, denn die Tendenz weltweit geht in genau die entgegengesetzte Richtung: Die meisten anderen Länder können ihre Förderungen wenn überhaupt nur sehr begrenzt steigern oder weiten ihre Importabhängigkeit sogar aus. Dennoch erreicht die Ölförderung in den USA bereits zwischen 2020 und 2025 ihr Maximum bei etwa 10 Millionen Fass pro Tag. Öl und Gas zusammen erreichen ihren Peak um 2025.

Öl- und Gasförderung in den USA laut WEO 2012 (weiterlesen …)

What the Frack?

Lagert unter den Vereinigten Staaten wirklich genug Erdgas für die nächsten 100 Jahre?

Ein Artikel von Chris Nelder (getreallist.com), übersetzt von Benedikt Oelmann. Zuerst erschienen bei Slate und mit freundlicher Genehmigung von Autor, Übersetzer und Herausgeber nun auf deutsch.

 

Die jüngsten Presseberichte über das Potential von Schiefergas haben Sie möglicherweise glauben lassen, dass Amerika jetzt auf einem Erdgasvorrat sitzt, der für die nächsten 100 Jahre ausreicht und das Blatt sich somit gewendet hat: Das „Goldene Gaszeitalter“ erwartet uns, in dem die USA in der Energieversorgung unabhängig vom Ausland, sogar weltweiter Gasexporteur, sein werden und die Energieimporte ein Ende finden.

Die Daten sprechen dagegen eine andere Sprache. Zwischen nachweisbaren und potenziellen Reserven, mit letzteren wird immer in den Schlagzeilen gearbeitet, liegt eine gewaltige Kluft der Unsicherheiten und Spekulationen.

Die Behauptung, dass unter den USA genug Erdgas für die nächsten 100 Jahre lagern, entstammt einem Bericht, der im April 2011 durch das Potential Gas Committee, einer Organisation bestehend aus Erdöl-Ingenieuren und Geowissenschaftlern, veröffentlicht wurde. Der Präsident und Vorsitzende Larry Gring arbeitet für Third Day Energy LLC, einem Unternehmen mit Sitz in Austin, Texas, das Öl- und Gasvorkommen entlang der Golfküste erwirbt und betreibt ist. Der Vorstandsvorsitzende Darrell Pierce ist Vizepräsident von DCP Midstream LLC, eines Unternehmens aus Denver, das Erdgas produziert, verarbeitet und vermarktet. Die Autoren des Berichtes entstammen der industrienahen Colorado School of Mines. Es ist also davon auszugehen, dass der Bericht des Potential Gas Committee keine unparteiische Beurteilung der Ressourcen zulässt. (weiterlesen …)

Update: Peak Oil Barometer Oktober 2012

Nachdem die IEA ihre Mittelfristprognose angepasst hat, hat EnergyComment das Peak-Oil-Barometer auf den aktuellen Stand gebracht:

Peak Oil verschoben: IEA prognostiziert sinkende Preise

240 Euro will die IEA für ihren neuen Mittelfrist-Report zur Entwicklung des Ölmarkts haben. Glauben wir SPIEGEL ONLINE ist darin ein Absinken des Ölpreises in den kommenden 5 Jahren zu erwarten. Vom diesjährigen Durchschnittspreis von 107 US$ auf dann 89 US$ soll sich das Preisniveau senken. Diese Entwicklung würde, sofern sie weltweit gültig ist, bedeuten, dass Peak-Oil-Auswirkungen auf volkswirtschaftlicher Ebene bis 2017 nicht eintreten oder spürbar werden, sondern dass wir in den vergangenen 4 Jahren ein zwischenzeitlichen Preis-Peak gesehen haben, der sich in den nächsten Jahren wieder abschwächt. (weiterlesen …)

Kommentarlos, Teil 13

Es lässt sich festhalten: Durch eine Geschwindigkeitsverringerung des Energieumsatzes (also einem geringeren Energiefluss) reduziert sich die ökonomische Aktivität. Es werden weniger Güter produziert und transportiert und es werden weniger Dienstleistungen angeboten. Der sozioökonomische Stoffwechsel verlangsamt sich, was gleichbedeutend ist mit einer Abnahme der wirtschaftlichen Dynamik.

Julian König: "Peak Oil und die Verwundbarkeit moderner Gesellschaften. Verursacht das Ende des billigen Öls eine Krise der Wachstumsökonomien?", Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Außenpolitik, S. 26

(Danke für den Hinweis an M_B_S)

Total-Chef Christophe de Margerie warnt vor Ölförderung in der Arktis

"Dank" einer rasanten Erwärmung der Erdatmosphäre schmelzen die Eispanzer am Nord- und Südpol. Ein gutes Viertel weniger Eisvolumen führt die Arktis heute im Vergleich von vor 10 Jahren. Das Abschmelzen der Pole ruft Hoffnungen hervor, dort Rohstoffe zu fördern. Laut USGS könnten im bislang unzugänglichen Norden des Planeten ein Fünftel der noch unentdeckten nutzbaren Öl- und Gasreserven liegen. Ihre Ausbeutung könnte Peak Oil in die Zukunft verschieben und ein kleines bißchen Weiter-So erlauben.

Vor der Ausbeutung dieser Ressourcen hat nun der Chef des französischen Ölkonzerns Total Christophe de Margerie gewarnt. Die Risiken seien zu hoch, insbesondere was die Gefährdung der sensiblen Umweltbedingungen im Norden betrifft aber auch, was das Image jenes Konzerns betrifft, der es zu einer Ölkatastrophe kommen läßt. Dass die Tiefsee-Förderung hohen Risiken ausgesetzt ist, zeigte 2010 die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Im Norden herrschen teils noch krassere Umweltbedingungen als im warmen mexikanischen Golf! Zwar wärmt sich die Atmosphäre auf, das bedeutet aber nicht, dass man im Norden Sommertemperaturen erwartet. Frost und Eis werden weiter da sein und vor allem: Dunkelheit. Nur weil die Atmosphäre sich erwärmt bedeutet dies keine Neigung der Erdachse: Die Sonne geht im Sommer nicht unter und im Winter gar nicht erst auf. Psychisch extrem belastende Bedingungen für dort arbeitende Menschen. Und auf das Risiko der Tiefseebohrungen - ala Deepwater Horizon - kommt in der Arktis Eis und Kälte noch hinzu.

De Margerie thematisierte Peak Oil im Dezember 2011 beim World Petroleum Congress in Doha (Katar). Nachdem er zuvor öffentlich davon sprach, Peak Oil stünde quasi vor der Tür, war die damalige Rede für Kjell Aleklett, Präsident der ASPO International, eine Enttäuschung. Technologie werde das Problem lösen, so argumentierte De Margerie branchentypisch. Was Peak Oil bedeutet weiß der Total-Chef aus eigener Anschauung: Der Förderpeak der Firma Total war 2004 mit 2,75 Millionen Barrel Tagesproduktion erreicht, die bis 2009 auf 2,5 Millionen und bis 2011 auf 2,35 Millionen Barrel absank. Derzeit bemüht sich Total offenbar um eine radikale Umstrukturierung: Der Konzern will sich laut Manager Magazin vor allem von Raffinerien und ausgereizten Öl- und Gasfeldern trennen und in den kommenden 2 Jahren Unternehmenswerte von 20 Milliarden Dollar verkaufen. Dieses Geld soll in die Ausweitung der Ölförderung gesteckt werden. Das 5-Jahres-Ziel: Die Fördermenge auf 3 Millionen Fass pro Tag zu steigern. Man könnte interpretieren: Total erwartet höhere Gewinne bei der Förderung von Öl als mit dessen Verarbeitung. Das sagt vermutlich einiges über den kommenden Ölpreis aber auch, dass De Margerie das Grundprinzip des Peak Oil in einer Unternehmensstrategie berücksichtigt: Ginge er von einer preisdrückenden Ölschwemme aus, wie sie sein italienischer Kollege Leonardo Maugerie vorhersagt, würde er dann den Konzern auf die Ölförderung konzentrieren? Auch mit Lecks bei der Öl- und Gasförderung kennt sich Total aus: Die Förderplattform Elgin in der Nordsee war von März bis Mai diesen Jahres havariert und das Leck abzustellen, war offensichtlich kein leichtes Unterfangen. Gut möglich, dass De Margerie diese Erfahrung im Hinterkopf hat, als er seine jüngste Warnung vor der Ölförderung in der Arktis aussprach.

Kurzfristrisiko Mohammed-Karikaturen

Es mag unpassend erscheinen, den Aufruhr um einen Film und Karikaturen in einem Peak-Oil-Kontext zu analysieren. Die Tatsache, dass ein großer Teil des weltweit geförderten Öls aus Ländern kommt, deren Bevölkerung und Regierenden vom islamischen Weltbild geprägt sind, ist jedoch kaum zu leugnen. Damit ergibt sich aus den Protesten um die in westlichen Ländern als eher harmlos eingestuften medialen Inhalte (Filme, Bilder) ein Risiko für die Ölversorgung. (weiterlesen …)

Ändert Peak Oil die ökonomischen Mechanismen?

Ein Gastbeitrag von Martin Andresen.

Man kennt das. Irgendwo, ganz weit weg, auf dem nordamerikanischen Kontinent wird ein simples Pyramidenspiel mit Immobilien betrieben. Von Periode zu Periode drängen stetig grössere Käufermassen auf den Häusermarkt, was allein schon die Hauspreise steigen lässt, was wiederum vermehrt Interessenten anlockt. Angefeuert wird die Bewegung durch ein enthemmtes dereguliertes  Bankensystem, dass auf der Grundlage stetig steigender Immobilienbewertungen Kredite schöpft, Boni verteilt und eine Refinanzierungsmaschine in Gang setzt, die über Verbriefungen überteuerte Hypothekenkredite in den globalen Bankenmarkt verkauft. Alle wollen mitmachen, alle wollen reich werden und verschulden sich bis über beide Ohren. Dann gibt es einen Konjunktureinbruch (die Ölpreise steigen unerwartet), Arbeitslosigkeit macht sich breit, die ersten Kredite werden notleidend und plötzlich stockt der Strom neuer Käufer - das Kartenhaus bricht zusammen.

Die Ökonomen erkennen erstaunt, dass es nicht möglich ist, reich zu werden, nur indem man sich gegenseitig reihum Immobilien verkauft. Das hätt man jetzt nicht gedacht, denn liberalisierte Märkte tendieren zum Gleichgewicht - nicht zum Abgrund, so die herrschende Wahrnehmungsübereinkunft. Finanzminister Schäuble ist selbst vier Jahre nach dem Crash überzeugt, die Bankenkrise war nicht vorhersehbar. Und viele Ökonomen pflichten ihm bei. Aber ist das so? (weiterlesen …)

Cyber-Krieg im Nahen Osten: Insider an Virusattacke auf Saudi Aramco beteiligt?

Reuters berichtet, bei der Attacke eines Computervirus namens Shamoon auf die Computer von Saudi Aramco, habe ein Insider eine wichtige Rolle gespielt. Zwar scheint der Schaden, den der Virus hinterlassen hat nur kurzfristiger Art gewesen zu sein und hat die Ölversorgungsstrukturen direkt nicht beeinträchtigt, doch das Beispiel zeigt, mit welchem Mitteln der moderne Krieg im Nahen Osten geführt wird und wie verletzlich die Strukturen sind, an denen unsere Energiezufuhr in Europa hängt.

Ob der Virus-Angriff, der sich in seiner Gesamtschau als Teil eines offenbar umfassenderen Cyber-Kriegs im Nahen Osten darstellt, Ursache für die jüngste Benzinknappheit im weltwichtigsten Ölförderland sind, bleibt Spekulation. Jedenfalls waren zwei Wochen nach der erfolgten Attacke einzelne Gegenden Saudi Arabiens mit Treibstoffen unterversorgt.

Zu den aktuellen Vorgängen und den Hintergründen ein Artikel bei/für Telepolis: "Cyber-Krieg im Nahen Osten"

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