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Bayer verkauft Kunststoffsparte MaterialScience

Die folgenden Überlegungen sind vollständig spekulativ.

Der deutsche Chemiekonzern Bayer verkauft seine Kunststoffsparte MaterialScience. Über die Börse soll das Unternehmen den Besitzer wechseln, wird gemeldet. Geht man davon aus, dass in großen Unternehmen nicht nur rein kurzsichtig agierende Menschen arbeiten, sondern große Entscheidungen auch vor strategischen Hintergründen getroffen werden, könnte man mal annehmen, dass den Entscheidern Peak-Oil-Gesichtspunkte bekannt sind. Für diese Annahme spricht, dass auf der Webseite der Firma unter dem Punkt "Strategie" gesagt wird:

Bayer MaterialScience will mit hochwertigen Polymer-Werkstoffen und Anwendungslösungen dazu beitragen, globale Herausforderungen wie die Verknappung fossiler Ressourcen, den Klimawandel, die zunehmende Mobilität und das Wachstum der Städte zu bewältigen.

Die Verknappung fossiler Ressourcen will das Unternehmen also helfen, zu bewältigen. Das ist insofern bedeutsam, weil das Kunststoffgeschäft rohstoffseitig fast vollständig von fossilen Rohstoffen abhängt. Von 18,5 Millionen Tonnen Rohstoffeinsatz in der chemischen Industrie in Deutschland, sind nur 2,7 Millionen Tonnen nachwachsende Rohstoffe - und das ist nicht nennenswert steigerbar, wie die Leopoldina-Studie zu diesem Thema warnt. Kohle geht mit 0,2 Millionen Tonnen, Erdgas mit 3 Millionen Tonnen und Erdöl mit 15,3 Mio Tonnen in diese Industrie ein. Erdöl macht also 83% des Kohlenwasserstoff-Inputs in die Chemieindustrie aus. 90% des fossilen Inputs stammt aus dem Import. Diese Zahlen stammen aus dem Chemie Report Spezial des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) von 2012 und zeigen auf, dass wie stark die gesamte Branche auf fossilen Rohstoffen allgemein und auf Erdöl im Speziellen gebaut ist. Die vorausschauenden Unternehmensführer innerhalb dieser Branche dürften daher über den Rohstoffmarkt informiert sein.

Bayer MaterialScience ist also ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell hochgradig von fossilen Energieträgern auf der Rohstoffseite abhängt. Doch auch auf der Abnehmerseite scheint das Unternehmen hochgradig abhängig, denn es listet bei den Abnehmern zuerst die Automobilindustrie, dann den Bau und als Drittes die Elektronikindustrie auf. Steigende Ölpreise würden das Geschäft also von zwei Seiten in die Zange nehmen: Die Kosten für die verwendeten Rohstoffe würden steigen, während zugleich die weiterhin Verbrennungsmotorprodukte verkaufende Kundschaft von Absatzrisiken bedroht ist. Angesichts dessen, dass die Sparte eine sehr anständige Umsatzrendite von 9,5% erwirtschaftet, muss die Frage erlaubt sein: Welchen Einfluss hat die globale Rohstoffsituation auf die Verkaufsentscheidung zu Bayer MaterialScience?

Es ist anzunehmen, dass solch großen Ausgliederungen aus einem Unternehmen immer vor dem strategischen Hintergrund überlegt werden, wohin ein Unternehmen weiterentwickelt werden soll. Solch große Abspaltungen wie die Kunststoffsparte von Bayer bedeuten für eine Firma eine Entscheidung von großer Tragweite. Zweifellos ist die Konzentration auf weniger Geschäftsfelder ein wichtiges Argument in Zeiten globaler Spezialisierung, aber man trennt sich eher selten von Unternehmensbestandteilen, die gutes Geld abwerfen und deren Geschäftsaussichten grandios sind - aber genau das vermittelt natürlich die Webseite.

Anleger sollten bei einer Investition in diese Aktie das Risiko bedenken, was aus einer Unternehmensbeteiligung allgemein einhergeht und wegen der Rohstoffrisiken im Speziellen. Die emissionsausführenden Banken und Berater werden das fossile Problem in der Prospekterstellung sicherlich berücksichtigen...

Input-Throughput-Output-Risiken

 

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2013: Ölförderrückgang bei den «Majors» erzwingt das Zurückfahren von Investitionen

Ein leicht gekürzter Artikel von Matthieu Auzanneau aus dem Blog "Oil Man" auf der Website der französischen Tageszeitung Le Monde. erschienen am 17. März 2014. Übersetzt von D. Groebner.

 

Die fünf grössten internationalen Ölkonzerne, die «majors» (Exxon, Shell, Chevron, BP und Total) verzeichnen seit nunmehr neun Jahren in Folge fallende Fördermengen:

Die Grafik zeigt die entsprechenden Fördermengen seit 2000. Damals förderten die fünf Firmen zusammen knapp über 10 Millionen Barrel pro Tag (Mb/d) . Bis 2004 stieg die Förderung auf etwa 10,5 Mb/d, fiel dann bis 2008 auf unter 10 Mb/d, hielt sich auf diesem Niveau bis 2010, stürzte dann 2011 auf knapp über 8 Mb/d ab und rutschte in den zwei folgenden Jahren auf unter 8 Mb/d. Die deutlichsten Verluste erlitt dabei BP zwischen 2010 und 2011.

Das sieht nach einem dauerhaften Trend aus.

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Gazprom drosselt Gaslieferungen in die EU. Rianovosti spricht von “Sanktionskrieg”

Heute sollen neue EU/US-Sanktionen gegen Russland in Kraft treten und seit Wochenbeginn sind die Gaszuflüsse nach Polen geschrumpft. Inzwischen melden auch die Slowakei und Österreich einen Abfall des Drucks in den Gasleitungen aus Osten. Bislang war unklar, an welcher Stelle die Gaslieferungen geschrumpft werden: Gazprom meldet "Der Export nach Polen läuft ohne irgendwelche Änderungen – in den gleichen Mengen wie auch an den vorangegangenen Tagen – 23 Millionen Kubikmeter pro Tag". Diese Formulierung vom gestrigen 11.09.2014 läßt im Unklaren, auf welche "vorangegangenen Tage" sich die Aussage zitiert. Der RIANOVOSTI-Artikel bemerkt zugleich eine vertragliche Spitzfindigkeit: Nicht die Vertragsmenge, sondern die "angefragte Liefermenge" sei unterschritten worden, so Gazprom. Möglicherweise gibt es vertraglich vereinbarte Mindestmengen, die zur Lieferung anstehen und eine Klausel, die darüber hinausgehende Lieferungen erlaubt. Gazproms Formulierung belegt nun, dass der Konzern die von polnischer Seite angefragten Liefermengen schrumpft. "Dienst nach Vorschrift" nennt man das hierzulande, wenn sich jemand streng an die Vorgaben seines Auftraggebers hält - in diesem Fall an die vertraglich vereinbarten Mengen.

Wahrscheinlich ist, dass die russische Politik den Gaskonzern zur psychologischen Kriegsführung nutzt und die heute von EU/USA erweiterten Sanktionen durch diese mehrfach angekündigte Gasdrosselung entgegentritt. Kurzfristig wird diese Entwicklung nicht zu Engpässen bei der europäischen Gasversorgung führen: Laut GIE sind die europäischen Speicher zu 89,98% gefüllt (Deutschland: 91,5%, Österreich: 94,5%), nur die ebenfalls aufgeführten ukrainischen Speicher sind nur zur Hälfte voll. Das SPIEGEL-ONLINE-Krisenszenario (unten im Artikel) erwartet im Fall eines vollstädigen Gasboykotts sofortige Engpässe in Finnland, nach 3 Monaten auch in Polen und der Türkei und nach 6 Monaten auch im Baltikum, im deutschsprachigen Europa und auf dem Balkan. Von dieser Entwicklung sind wir noch weit entfernt, aber die Sanktionsspirale dreht sich weiter.

eskalationsspirale-reziprozitaet

RIANOVOSTI hat dieser Spirale einen griffigen Namen gegeben: Die Rede ist nun von einem Sanktionskrieg. Diverse Artikel auf der Plattform lassen Akteure zu Wort kommen, die die EU/US-Sanktionen als gesetzwidrig und unwirksam darstellen. Und die Grundlagen für eine weitere Verschärfung werden bereits angedeutet: Zitiert wird ein EU-Beamter, der Journalisten gegenüber sagte, der Gassektor werde nicht von weiteren Sanktionen betroffen sein, sondern: "Im Energiebereich wird der Erdölsektor von diesen Maßnahmen betroffen".

Weitere Informationen:

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Schweizer Bundesamt für Energie legt Risikobewertung für die Erdgasversorgung der Schweiz vor, Öl medial kein Thema

Das Schweizer Bundesamt für Energie, welches dem Ministerium für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation untersteht, hat eine Risikobewertung für die Erdgasversorgung der Schweiz vorlegt. Das 32seitige Papier soll dazu dienen, die Schweiz näher an die "Gas-Koordinierungs-Gruppe" der EU heranzuführen. Dieses Gremium wurde von der EU in Folge der russisch-ukrainischen Gaskrise von 2009 eingesetzt.

Allerdings läßt ein Papier zu diesem Thema in diesen Zeiten mehr erwarten, als es letztlich liefert. Das Papier untersucht genaugenommen nur, "ob die Gasinfrastruktur technisch in der Lage ist, die gesamte Gasnachfrage in einem berechneten Gebiet bei Ausfall der größten einzelnen Gasinfrastruktur während eines Tages mit außergewöhnlich hoher Gasnachfrage [..] zu decken". Diese Anforderung an das Versorgungsnetz, solch einen Störfall auszuhalten, wird durch eine EU-Verordnung Nr. 994/2010 formuliert - und da die Schweiz sich stärker in die Aktivitäten der EU zur sicheren Gasversorgung einbringen will, testet die vorliegende Studie das Erfüllen dieser Verordnung. Den genannten "Ausfall der größten einzelnen Gasinfrastruktur" hält die Schweizer Gasversorgung laut Risikobewertung aus.

Das Papier thematisiert auch weitergehende Störszenarien. Ein Ausfall des größten Gaseinspeisepunktes Wallbach wäre laut der Untersuchung handhabbar, genau wie es die Unterbrechung einer Transitgasleitung von Juni bis Dezember 2010 war. Der kurze Abschnitt zur Ukraine-Russland-Gaskrise von 2009 hält lapidar fest, dass es damals keine Versorgungsprobleme gab, weil Gasleitungen durch Weißrussland und Polen verstärkt genutzt und zusätzliche Lieferungen aus Norwegen, den Niederlanden und als LNG erfolgten.

Das Umweltamt bat diverse Institutionen um Beurteilung der Risikobewertung. Von economiesuisse wurde angeregt, die aktuelle Ukraine-Krise im Papier zu berücksichtigen. Die Autoren der Studie lehnten dies jedoch mit dem Zweck des Papiers, nämlich der EU-Verordnung zu genügen, ab. (mehr …)

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Peak Oil: Der Stand der Dinge 2014

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich ein Zwischenfazit gezogen: Wo stehen wir hinsichtlich des globalen Ölfördermaximums? Damals lagen Daten der EIA bis April 2013 vor. Heute liegen Daten für 12 weitere Monate vor: Bis April 2014. Die folgende tabellarische Darstellung unterteilt die Welt in jene Ölförderregionen, wie sie die EIA vorgibt. Dabei fällt auf:

  • Die Weltölförderung hat auch in den vergangenen 12 Monaten zugenommen. Die Ölförderung steht an einem Allzeithoch - nie zuvor wurde auf dem Planeten mehr Öl gefördert als heute. Ein globaler Peak Oil ist nicht erreicht.
  • Europa ist die Weltregion, deren Ölförderung weiterhin am stärksten zurückgeht. 60% weniger Rohöl und Kondensate werden heute gefördert als zum Zeitpunkt des europäischen Ölfördermaximums anno 1999. Biokraftstoffe und Co. haben dafür gesorgt, dass die Gesamtmenge am "Flüssigenergie" leicht gegenüber dem Vorjahr zunahm, aber die Veränderungen sind marginal.
  • Afrika hat seinen Peak überschritten. Von 2012 zu 2013 schrumpfte die Ölbereitstellung um 6,7%, gegenüber dem Allzeithoch im Dezember 2007 wurde im April 2014 fast ein Viertel weniger Öl gefördert.
  • Zentral- und Südamerika, Eurasien und der Nahe Osten verlieren auf Monatsbasis gesehen zwar von Sommer 2013 bis April 2014 ein paar Prozente Ölförderung, aber die Zahlen sind nicht eindeutig, um das Überschreiten des Peaks für diese Weltregionen eindeutig festzustellen.
  • Nordamerika ist die einzige Weltregion, die ihre Ölförderung weiter steigert - und dies sehr beachtlich! Um 7,55% hat die Ölförderung von 2012 zu 2013 zugenommen und damit den entscheidenden Beitrag zur Steigerung der weltweiten Ölförderung geliefert.
Weltregion Crude+Condensate all liquids
bisheriges Fördermaximum
(in Mio Barrel pro Tag)
Zeitpunkt Veränderung seitdem bisheriges Fördermaximum
(in Mio Barrel pro Tag)
Zeitpunkt Veränderung seitdem
Nordamerika 14,370 April 2014 20,749  April 2014
Zentral- und Südamerika 6,942 Dezember 2000 -3,31%
2013: -4,74%
8,327 August 2013 -5,86%
2013: -7,55%
Europa 6,909 November 1999 -60,02%
2013: -56,77%
7,744 November 1999 -49,3%
2013: -50,15%
Eurasien 13,147 Juni 2013 13,855 Juni 2013 -1,51%
2013: -0,09%
Naher Osten 24,812 August 2013 -3,34%
2013: -4,72%
27,945 August 2013 -1,41%
2013: -3,68%
Afrika 10,168 Dezember 2007 -13,9%
2013: -10,73%
10,963 Dezember 2007 -23,02%
2013: -8,83%
Asien und Ozeanien 8,034 September 2010 -4,33%
2013: -4,66%
9,337 September 2010 -5,48%
2013: -3,55%
Die Welt 77,136 Februar 2014 90,998 Februar 2014
Welt abzüglich USA & Kanada 67,022 Januar 2011 -2,11% 74,974 Januar 2011 -2,51%

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Saudi-Aramco-Chef fordert Ölbranche zu Investitionen auf

40 Milliarden US$ investiert der saudische Ölkonzern Saudi Aramco jährlich in den kommenden 10 Jahren, um die Förderkapazitäten des wichtigsten "Swing-Producers" der Welt aufrecht zu erhalten. Diese Zahl nannte der CEO Khalid Al-Falih auf der Offshore Northern Seas-Konferenz (ONS), die seit Montag bis Donnerstag im norwegischen Stavanger stattfindet. Saudi Aramco ist Hauptsponsor der Tagung. Bei aktuellen Ölpreisen entspricht die Investitionssumme den Erlösen aus dem Verkauf von 1 Million Barrel Öl pro Tag. Zum Vergleich: Die EIA gibt den Rohöl-Export Saudi Arabiens für 2010 mit 7 Millionen Barrel und den Export von Raffinerie-Produkten mit 1,5 Millionen Barrel pro Tag an. Ein Siebtel seines Rohölexports will die Firma also über die kommenden 10 Jahre in die Aufrechterhaltung der Ölförderung investieren. (mehr …)

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Die Fallhöhe und das Netz

Mit Vollgas in die Mauer

Im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Peak Oil wurde schon mehrfach darüber spekuliert welche Folgen eine erzwungene, krisenhafte Kontraktion der Wirtschaft haben könnte. Bekanntlich erfordert unser Wirtschaftssystem ununterbrochenes Wachstum; schon bei zu kleinen Wachstumsraten kommt es in Schwierigkeiten, Stagnation bedeutet massive Krise, ein Schrumpfungsprozess gilt als existentielle Bedrohung des ganzen Systems. So gut wie alle Menschen, die bislang versucht haben, sich ein realistisches Bild davon zu machen, welche Entwicklungen in der Energieversorgung möglich und wahrscheinlich sind, sind zum Schluss gekommen, dass ein Schrumpfungsprozess der zur Verfügung stehenden Energie unvermeidlich ist und unsere Gesellschaft daher gut beraten wäre, ihren Energiekonsum freiwillig und geplant zu verringern, da jede Strategie des «business as usual» unweigerlich in eine umfassende Krise und in einen ungeplanten, chaotischen und krisenhaften Schrumpfungsprozess münden dürfte. Gleichzeitig kann niemand, der die politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte aufmerksam verfolgt hat, es für realistisch halten, dass es in absehbarer Zeit (oder überhaupt jemals) möglich sein könnte, eine freiwillige und gezielte Reduktion des Energiekonsums politisch durchzusetzen. Eine solche Politik würde eine radikale Abkehr vom Prinzip des ewigen Wirtschaftswachstums voraussetzen und benötigte schon im Vorfeld den Entwurf eines neuen Wirtschaftssystems; das würde dem Entwurf eines neuen Zivilastionsmodells gleichkommen. Ein solches ist aber bislang allenfalls skizzenhaft vorhanden und wird bestenfalls nur von einer winzigen Minderheit der Bevölkerung gewünscht, oder besser, erträumt.

Es wird also weiterhin mit grösster Wahrscheinlichkeit am bisherigen System festgehalten werden solange es irgend möglich ist.

Damit ist das wahrscheinlichste Zukunftsszenario jenes einer ungebremsten Fahrt in die unüberwindlichen physikalischen, insbesondere die geologischen Grenzen der Grundlagen des Systems bis zum ungeplanten, erzwungenen und krisenhaften, und vor allem langfristigen Schrumpfungsprozess. Wir haben Interesse uns die Frage zu stellen, wie sich ein solcher krisenhafter Schrumpfungsprozess abspielen könnte, welche Risken er mit sich bringen und welche Möglichkeiten es gibt, seine negativen Folgen zumindest mildern zu können.

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Peak Hoyerswerda: Kohle und Leben in der Lausitz

Für Telepolis habe ich mir die Bevölkerungsentwicklung im Braunkohlerevier der Lausitz angeschaut. Für Leser des Peak-Oil.com-Blogs ist dieser Artikel aus mehreren Gründen interessant. Zum einen sind diverse Glockenkurven zu sehen, die Peak-Oil-Interessierten bekannt vorkommen. Nur, dass diese Glockenkurven nicht die Förderung von Öl beschreiben, sondern die Einwohnerentwicklung zweier Städte: Hoyerswerda und Weisswasser.

bevoelkerung-hoyerswerda-weisswasser-braunkohle

Diese beiden Städte waren die zentralen Wohnorte für die Kraftwerker und Bergleute und ihr Aufstieg und Fall dürfte ohne Beispiel in Europa sein. Zum anderen ist Braunkohle genau wie Erdöl ein zentraler Energierohstoff unserer Zeit, auch wenn die Bedeutung der Kohle bereits geschrumpft ist, während jene von Öl an ihrem Höhepunkt angekommen ist. Bedenklich sind mögliche Zusammenhänge zwischen Kohle und Einwohnerzahlen, die sich möglicherweise auch zwischen Öl und Einwohnerzahlen finden lassen. Als drittes habe ich eine Diskussion aus der Peak-Oil-Community auf die Kohle übertragen: Die Frage nach dem Energy Return on Energy Invested (ERoEI) und dem best-first-Prinzip. Ich würde mich freuen, wenn dieser Artikel auf Interesse stößt!

Ich bin in der Lausitz geboren und gehöre zu denen, die von dort weggezogen sind. Die Schule, in die ich in Weisswasser ging, steht nicht mehr. Sie wurde "zurückgebaut", wie so viele Gebäude der Stadt. Wann auch immer ich dorthin zurückkehre, werde ich nichts mehr finden, was an meine Schulzeit erinnert. Wo früher diese Schule stand, holt sich heut der Wald seinen Raum. Es ist diese Entwurzelung, die andere Lausitzer noch viel drastischer trifft: Jene, die nicht nur ihre Schule, sondern ihr Haus verloren haben oder verlieren sollen. Bei denen dort, wo teils jahrundertealte Familienwurzeln wuchsen, ein Loch bleibt.

Ich erinnere mich gut an das Quietschen der eisernen Bagger in der Nacht, welches für mich (warum auch immer) nach dem Schreien von Löwenbabys klang. Kurz vor dem Heimatdorf meiner Mutter stoppten die Bagger letztlich, zogen sich später zurück und machten Platz für den größen See Sachsens. Die Kulisse von heute könnte widersprüchlicher nicht sein: Vom idyllischen Sandstrand des Bärwalder Sees aus sieht man auf der anderen Seeseite das Kraftwerk Boxberg, welches dieses und andere Löcher buchstäblich in die Erde gefressen hat. Man kann die Maschinerie erahnen, die aus Kraftwerk und Förderbändern bestand, die wie fleißige Hände die Kohle in den Verdauungstrakt transportierten, aus der Erde gekratzt durch saurierhafte Kohlebagger.

Was mich umtreibt, wenn ich an die Lausitz denke ist, ob die Planer der realsozialistischen Kohleförderung (und ihre Nachfolger) vor Augen hatten, was am Ende dieses Prozesses stehen würde. Dass die wachsenden Städte in rasantem Tempo wieder in sich zusammenfallen würden, dass Löcher bleiben würden, so unfassbar groß, dass kein Mensch mit Spaten in den Händen je auf die Idee käme, sie könnten menschengemacht sein. Dass die umgegrabene Erdkruste zu einem Phänomen namens "Braune Spree" führen würden, das zustande kommt weil feinste Eisenpartikel im Boden mit dem Luftsauerstoff zu Rost reagieren und durch das wiederkommende Grundwasser ausgespült und die Spree entlang Richtung Berlin transportiert werden. Durchaus 100 Jahre und mehr wird uns allein dieses Ergebnis der Braunkohleförderung beschäftigten, bestätigte mir ein befreundeter Wasserwirtschaftler. Wieviel Exergie werden wir wohl in den kommenden 100 Jahren aufwenden, um das Braune-Spree-Problem einzudämmen? Wird das Verhältnis zwischen eingesetzter Energie und geförderter Braunkohle in einigen Jahrhunderten noch positiv sein?

Wenn aber die Planer von damals nicht in der Lage waren, die Auswirkungen ihres Handelns 100 Jahre später zu beurteilen - droht uns auch bei anderen Energieträgern eine vergleichbare Entwicklung?

 

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Resiliente Infrastrukturen und Städte: Kritikalität und Interdependenzen

Der folgende Artikel stammt vom Dresdner Verkehrswirtschaftler Martin Randelhoff. Er steht unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 3.0 de und wurde erstmals im Dezember 2013 auf zukunft-mobilitaet.net veröffentlicht.


Viele Maßnahmen im Bereich der Verkehrsplanung werden häufig vor dem Hintergrund einer höheren Verkehrssicherheit und Internalisierung externer Effekte (Verringerung von Lärm, Luftschadstoffen, etc.) durchgeführt. Einige bestimmte Maßnahmen gehen jedoch darüber hinaus und sichern wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Strukturen und somit unseren Wohlstand.

Was ist Resilienz?

Der Begriff „Resilienz“ (resilience (engl.) = Spannkraft, Elastizität, Widerstandsfähigkeit; resilire (lat.) =  zurückspringen, abprallen) stammt aus der Psychologie und wurde in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erstmals verwendet. Zu diesem Zeitpunkt bezeichnete Resilienz eine spezielle Eigenschaft von Personen (besonders Kindern), die in ihrer Kindheit Erlebnisse erleiden mussten, unter denen die meisten Menschen zerbrochen wären (z.B. Armut, Flüchtlingssituation, Krieg, alkoholsüchtige oder psychisch erkrankte Eltern), aber dennoch im Erwachsenenalter psychisch unauffällig sind, einen Beruf ausüben und nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen.

Mittlerweile wurde Resilienz als Fähigkeit, Krisen durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen, auch auf Erwachsene erweitert. Resiliente Personen können mit stressigen Situationen besser umgehen, sei es Arbeitsstress oder emotionaler Stress nach einem Trauma, wie etwa Vergewaltigung, dem plötzlichen Verlust nahestehender Angehöriger oder Kriegserlebnissen.

Portierung in den Infrastrukturbereich

Unsere Infrastruktur und das Gesamtverkehrssystem sind zu jeder Zeit Störungen kleinen und großen Ausmaßes ausgesetzt wie zum Beispiel Weichenstörungen oder Unfälle unterschiedlichen Ausmaßes. Insbesondere Wetterextreme wie Sturm, Starkregen, starker Schneefall und große Hitze setzen der Straßen- und Schieneninfrastruktur sowie Luft- und Schifffahrt zu. Der Großteil aller Störungen kann mit einigen Ausnahmen über einen kurzen Zeithorizont behoben werden. Entsprechende klimatische, wirtschaftliche, geopolitische und weitere Entwicklungen machen es jedoch notwendig, auch unser Verkehrsnetz und die Organisation desselben robust und widerstandsfähig gegenüber externen Schockereignissen zu machen. (mehr …)

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Algen als Kerosin-Ersatz: Zum Stand der Forschung

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat den Zeitungen einen Artikel von Elke Silberer angeboten. Überschrift: "Algen sind das Kerosin der Zukunft". Zur Erinnerung: Kerosin ist der erdölbasierte Treibstoff für Flugzeuge. Er wird in Deutschland im Gegensatz zu Benzin (65,45 Cent pro Liter) und Diesel (47,04 Cent pro Liter) nicht besteuert. Bereits heute ist Kerosin und damit die gesamte Luftfahrtbranche also hochsubventioniert. Preisschwankungen am Rohölmarkt schlagen mangels puffernden Steuern auch regelmäßig auf die Wirtschaftlichkeit der Fluglinien durch.

Die dpa-Journalistin hat ein Forschungszentrum in Jülich besucht, wo aus tausenden Algenarten die wirtschaftlichste gesucht wird: Sie soll möglichst schnell wachsen und möglichst hohe Fett-/Öl-Anteile beinhalten. Die Hoffnung der Forscher: Da Algen im gleichen Zeitraum sieben- bis zehnmal mehr Biomasse heranwachsen lassen als Landpflanzen, erhofft man sich hohe Erträge. Allerdings ist der Stand der Forschung der, dass der aus Algen hergestellte Treibstoff fünf- bis zehnmal so teuer sei wie der heute aus Öl hergestellte. Dabei bleibt der dpa-Artikel ungenau: Er sagt nicht, ob diese Zahl sich auf den Ölpreis bezieht, auf den Herstellungspreis von Kerosin oder auf den durch spürbare Steuersätze teureren Endverkaufspreis von Benzin oder Diesel. So oder so sagt ein fünf- bis zehnfacher Preis aber, dass dieser Weg keiner ist, der von heute auf morgen mal eben Erdöl-Kerosin aus dem Flugverkehr verdrängen kann. Ein fünf- bis zehnmal so hoher Treibstoffpreis für Fluglinien würde nicht nur die Ticketpreise massiv erhöhen, sondern auch so manchen Flug und weitere Flughäfen unwirtschaftlich machen. Mit dem Regionalflughafen Zweibrücken bei Saarbrücken geht dieser Tage grade der nächste Kleinflughafen in die Abwicklung, mit dem Berliner Giga-Projekt BER wird derzeit ja möglicherweise ein gigantisches Infrastrukturgrab ausgehoben. Eine Verfünffachung der Treibstoffkosten würde die Kapazitäten des BER als völlig überdimensioniert dastehen lassen.

Doch nicht nur die Kostenfrage ist in dem dpa-Artikel im Nebensatz versteckt. Auch die Mengenproblematik: Das Jülicher Forschungsprojekt erprobt die Algen-Zucht auf 1500 Quadratmetern und ist damit offenbar das größte europäische Projekt dieser Art. Ein Flugzeug könnte mit der auf dieser Fläche geernteten Jahresmenge grade mal 6 Minuten lang fliegen, sagt der dpa-Artikel. Zum Vergleich: Greenpeace kalkulierte 1997 für einen Flug Frankfurt-New York 78.000 Kilogramm benötigten Treibstoff. Der Flug dauert heute etwa 8 Stunden und 20 Minuten, insgesamt also 500 Minuten, also das 83fache der Jülicher Jahresernte. Demnach müßte man 12,5 Hektar (125.000 qm) ein Jahr lang mit Algenanbau belegen, um einen Flug Frankfurt-New York zu ermöglichen. Und dies eben nicht in einer Freiland-Variante, sondern in laborähnlich aufwändiger Umgebung. Der schlechte Wirkungsgrad der Verbrennungstechnologie läßt grüßen.

Obwohl der Artikel letztlich Vergleiche wie den 6-Minuten-Flugzeit-pro-Jahresernte bringt, wird dem Leser durch die Überschrift suggeriert, Algen würden jenes Kerosin herstellen, mit denen er seinen Urlaubsflug in der Zukunft antreten wird. Dabei sind die zu erwartenden Mengen bei den zu erwartenden Kosten ein krasser Unterschied zur heutigen Situation. Warum man diese aufwändige Forschung trotzdem macht und warum die Bundesbehörden 5,7 Millionen Euro Fördermittel in solch ein Projekt stecken, erklärt der Artikel ebenfalls nicht. Sollten sie es tun, um damit "alternative Kraftstoffe mit besserer CO2-Bilanz in Verkehr zu bringen" (Zitat dpa), so ist das verdammt viel Geld für eine naive Schnapsidee. Ehrlich wäre der Artikel dann, wenn er klarstellt: Wir wissen nicht, womit wir in 20 Jahren unsere Flugzeuge betanken sollen. Und wenn uns da nicht bald was Bahnbrechendes einfällt, wird der extrem energieaufwändige Flugverkehr wohl zu großen Teilen zum Erliegen kommen. Was es bedeutet, wenn Gesellschaften sich auf die ständige Verfügbarkeit internationaler Flugverbindungen verlassen, erleben derzeit die Israelis hautnah. Ulrike Putz schreibt für SPIEGEL ONLINE von einem immensen wirtschaftlichen Schaden, der durch die gekappten Flüge nach Tel Aviv zu erwarten sei.

Nachtrag:

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