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Rebound; oder: Was mir Sorgen macht.

Meinegüte: Ein Herbst zum Glaubenverlieren.

Endlich Frühling. Gelegenheit, eine Verortung zu versuchen. Orientieren: Wo stehen wir?

Dieses Blog ist erreichbar über Peak-Oil.com. Peak Oil: Der Gipfel der Ölförderung. Und seine Auswirkungen. Knappheitsszenarien, die mit dem Gedanken spielen, irgendwann kommt die globale Ölförderung an Grenzen, die nicht überschritten werden können. So wie Moores Gesetz jetzt, 50 Jahre nach Formulierung, seine Gültigkeitsgrenzen zeigt (SPON: Moores Law: Die goldene Regel der Chiphersteller bröckelt), so dürfte es auch in der Förderung von Erdöl eine Limitierung geben. Grenzen des Wachstums. Physikalische Grenzen. Technische Grenzen. Ökonomische Grenzen. Grenzen eben.

Es wäre daher seltsam, hier über etwas anderes nachzudenken, nur weil der Ölpreis Kapriolen nach unten schlägt. Wahrhaftig: Die meisten, die jemals mit einem bedächtigen Kopfnicken oder furchtsamem Kopfschütteln in Richtung der "Peak-Oil-Theorie" geschaut haben, haben solch ein Preisniveau wohl nicht mehr für möglich gehalten - mich eingeschlossen. Die Situation hat sich durch Fracking verändert. Punkt. Eine technische Grenze wurde gesprengt. Doch ist Fracking für die Ölindustrie ein ähnlicher Paradigmenwechsel wie das Durchbrechen der 0%-Zins-Grenze durch die EZB? (TP: Der Euro auf dem Weg zur Geldhaltegebühr). Oder ist es ein Entwicklung mit überschaubarem Zeithorizont?

Wir wissen: Schon 2014 waren Europa (-49,3%) und Afrika (-23%) definitiv über ihre lokalen Ölfördermaxima drüber und Zentral- und Südamerika sowie Asien und Ozeanien (jeweils -5%) vermutlich ebenfalls. Außer Nordamerika, wo Fracking und Ölsandabbau ungeachtet besonderer ökologischer Rücksicht eingesetzt wird, konnte keine Ölförderweltregion nennenswerte Steigerungsbeiträge vorweisen (Peak Oil: Stand der Dinge 2014; will jemand mal die Zahlen updaten? Sende gern meine Tabelle!). Seitdem hat sich der Ölpreis aus einem 90-bis-110-US$-pro-Barrel-Korridor in einen 30-bis-50-US$-Korridor bewegt. Die Zahl der aktiven Ölbohranlagen in den USA hat sich gedrittelt und international ist ein Rückgang um ein Drittel aktiver Anlagen zu verzeichnen (PeakOilBarrel.com: International Rig Count Still Falling). Aktuell ist der Markt trotzdem absolut überversorgt (Lagerbestand: +9,4 Mio Barrel in einer Woche auf 532,5 Mio Barrel allein in den USA), denn was sprudelt, sprudelt - und die USA treten zunehmend als preisdrückender Öl-Exporteur auf (EIA: U.S. petroleum product exports continue to increase). Allerdings zeigt der Rückgang der Explorationsaktivitäten deutlich: Die Lagerbestände von heute könnten wir in einer noch nicht bezifferbaren Zukunft noch gebrauchen, denn wo heute nicht in die Ölförderung investiert wird, kommt morgen kein Öl.

Das Ölfördersystem ist groß - und entsprechend träge. Ob heute stillgelegte Projekte morgen ausreichend schnell wieder anfahrbar sind, um ein Überschießen des Preises oder Unterversorgung zu verhindern? (Erinnerung: Peak Oil: Chaos und Nichtlinearität) Diese Diskussion führen wir grade nicht. Zwar haben sich diverse Journalisten auf Peak Oil bezogen, als sie jüngst die Ölpreise diskutierten, aber eine fortwährende Debatte über Risikovorsorge und Risikomanagement kommt im Mediensystem nur schwer in Gang (HAZ: Wirtschaftsfaktor Öl: Der Treibstoff der Macht). Wir freuen uns darüber, dass Diesel für'n Euro zu kriegen ist und schwere Themen haben wir in den vergangenen Monaten ja genug gehabt. Aber meine Sorge ist: wir ruhen uns auf dem Stand der Dinge aus.

Erinnern wir uns: Die IEA hat noch Anfang 2015 den Rückgang der russischen Ölförderung um eine halbe Million Barrel Tagesförderung bis 2020 vorhergesagt (IEA sieht Russland am Peak, Fatih Birol wird neuer IEA-Direktor). Die größte private russische Ölfirma Lukoil und das russische Finanzministerium haben 2016/2017 als Peak-Jahr für Russland ausgerechnet. Sie taten das im Sommer 2014, noch bevor der Ölpreisverfall einsetzte - also in Zeiten, wo die zu erwartenden Erlöse und Investitionssummen viel höher lagen als jetzt. "Russland piekt." Und die USA werden auch wieder einen Peak sehen, wenngleich die Ölförderung natürlich zeitverzögert zu den Ölförderanlagen zurückgehen wird. Doch erinnern wir uns an die Decline-Kurven von Fracking-Bohrungen: die erinnern eher an Abbruchkanten als an Glockenkurven (Der Tight Oil Boom in den USA – Ein genauerer Blick! Teil 2). Der Förderrückgang könnte also irgendwann recht schnell erfolgen, während die sich aufbrauchenden Läger Sicherheit suggerieren. Und auch wenn eine halbe Milliarde Ölfässer Lagerreserve in den USA mehrere Monate den Ölförderrückgang ausgleichen könnten, bleibt doch die Frage: Und wie läufts, wenn die übervollen Läger sich der Nulllinie nähern? Wird "der Markt" vorher einen Preiskorridor finden, der Ölförderung -verbrauch in ein akzeptables Gleichgewicht bringt oder müssen wir mit überschiedenden Preisdynamiken rechnen?

Der Ölverbrauch ist unelastisch. Die Leute heizen wenn es kalt ist, nicht weil es billig ist. Die Leute fahren Auto, wenn sie zur Arbeit müssen, nicht wenn es billig ist. Wer auf Heizen und Fahren verzichtet, weil's zu teuer ist, fällt schnell aus dem sozialen Netz oder aus dem Gesundheitskorridor. Es sei denn, er ist flexibel genug, um es anderweitig warm zu kriegen oder sein Einkommen auch bei hohen Sprit-Kosten zu erzielen. Aber: Ist diese auf 44 Millionen PKW und 10,8 Millionen ölbeheizter Wohnen gestellte Gesellschaft flexibel genug?

Oder ist das noch der alte Peak-Oil-Sound, den wir nicht mehr brauchen, weil die Transformation des fossilen Industriesystems schon schneller passiert, als der Ölförderrückgang zu erwarten ist? Fließen schon genug neue Mobilitätsformen auf Straßen, Schienen und Radwegen? Sind schon genügend Investitionen in postfossile Heizungsysteme im Gange? Und hat die Chemieindustrie schon den Weg in die erneuerbar betriebene Methanisierungswirtschaft eingeschlagen?

Ich habe Sorge, dass dies alles noch nicht in ausreichender Geschwindigkeit passiert. Dass ein (wodurch auch immer ausgelöster) Rebound des Ölpreises zu Schwingungen in den Systemen führt, die eine Transformation erzwingen, statt dass sie planvoll vorhergedacht wird. Und ich habe Sorge, dass die Anreicherung mit Treibhausgasen nicht abgebremst wird, nur weil Sprit grade mal billig ist. Auch im Klimasystem gibt es Kipp-Punkte, die die Lebensbedingungen mal eben von einem Habitat-Korridor in einen anderen verschieben können: Ungeachtet dessen, ob die "Krone der Schöpfung" in einem anderen atmosphärischen Korridor noch obenauf wäre. (siehe auch: wikipedia: Habitale Zone unter Berücksichtigung des Planetaren Klimas)

Auch wenn die Mahner zahlreicher werden, dürfen wir eines nicht vergessen: Viele Systeme sind träge. Viele Menschen auch.

Sonnige Ostern!

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Jensseits des Stabilitäts-Korridors

Die Welt testet den Price-Down-Peak: Der Ölpreis ist unter 30 US$ gefallen und damit in Sphären angekommen, die zuletzt 2009 als Reaktion auf die drohende Kernschmelze des Weltfinanzsystems 2008 erreicht wurden. Dazwischen lagen drei Jahre mit einem Über-100-Dollar-Preisniveau, von dem wir annahmen, dass es relativ stabil sei: Hoch genug, um Investitionen in die Ölförderung zu gewährleisten und offenbar grade noch ökonomisch tragfähig für die ölabhängigen Volkswirtschaften. Um vor dem Finanzsystemkrisenbeginn ein Ölpreisniveau von unter 30 US$ zu finden müssen wir in die Jahre vor 2004 zurückgehen: Bevor George W. Bush in Reaktion auf den 11. September den Irak militärisch destabilisierte und bevor Putin und Chodorkowski um den russischen Ölkonzern Yukos stritten.

Inzwischen sind Öl-Sorten aus dem US-Fracking-Gebiet von North Dakota nahezu unverkäuflich: 'nen Dollar Fuffzich zahlen Raffinerien für das Zeug in den USA grade noch, weil es aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung schwer verarbeitbar ist. Und allerlei Leute warnen, der Ölpreis könnte noch tiefer gehen. Man könnte glauben, der Ölmarkt sucht den Peak nach unten. Und so mancher frohlockt, weil Diesel für 90 Cent zu kriegen ist.

Langsam mehren sich die Stimmen die vor den Auswirkungen warnen: Zahlreiche Länder sind auf die Geldzuflüsse aus Öleinnahmen angewiesen. Vom Break Even Oil Price (BEOP), dem Preisniveau das die Staatshaushalte Russlands, Saudi Arabiens oder Venezuelas im Gleichgewicht hält, sind wir schon dutzende Dollar entfernt. Und so mancher Analyst sieht den Preis auf dem Weg zu 10 US$. "Peak Oil" im Sinne des Erreichen eines Fördermaximums, scheint grade eine Debatte aus einer anderen Welt zu sein. Die Welt "schwimmt im Öl", die Läger sind voll, die Pumpen laufen auch beim ehemaligen Swing-Producer Saudi Arabien auf vollen Touren, der Iran darf nach der Aufhebung der Sanktionen auch wieder "Gas geben" und die Nachfrage nach Öl kommt nicht hinterher - trotz des grotesken Preisnachlasses. Importländer wie Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien, die USA oder auch China dürfen ihre Ersparnisse in aufgehübschten Handelsbilanzen nachlesen. Schön, wenn man nicht soviel Geld ausgeben muss, oder? Problematisch an einer global integrierten Weltwirtschaft: Die Wirtschaftslage der Ölverkäufer könnte sich dramatisch drehen, was - wie der Chef des Weltwirtschaftsforum Klaus Schwab feststellt - zu neuen Flüchtlingswellen führen könnte:

"Jetzt stellen Sie sich eine Milliarde Menschen vor, die alle nach Norden gehen."

So ist das in komplexen Systemen, die bei so mancher Parameteränderung in immer krassere Schwingungen geraten können. Der Ausbruch des Ölpreises aus jeglichem Stabilitätskorridor (nach unten) wird also Staatspleiten, Wirtschaftskrisen und Migrationsströme nach sich ziehen und zugleich das Ölangebot von Morgen in Frage stellen: BHP Billiton schreibt grade mal wieder 7,2 Milliarden US-Dollar auf seine Fracking-Investitionen ab, doch es ist nicht die erste Wertberichtigung. Wer investiert noch in die Ölförderung von morgen? In den USA sind nur noch 135 Gasbohranlagen in Betrieb, 2008 waren es über 1500 und auch die Zahl der Ölbohrtürme hat sich inzwischen gedrittelt: 515 nach über 1500 vor 2 Jahren. Gut möglich, dass wir die bestehenden Fördergebiete nur noch weiterfahren, ohne nennenswerte Investitionen in neue Förderungen. Der Rebound könnte dann hart werden, auch wenn er noch Jahre hin sein kann: Der Preissprung nach oben, wenn sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage doch mal wieder ändert. Doch der Blick in die Glaskugel war in den vergangenen Jahre alles andere als dankbar, also lassen wir das an dieser Stelle.

Die USA haben jedenfalls in 2015 mal wieder einen Förder-Peak überschritten. Dafür sind die Läger so voll wie noch nie: eine halbe Milliarde Barrel lagert allein in den USA. Deshalb interessierts auch grade niemanden so recht - und vermutlich ist es auch wirklich nicht so relevant, schließlich ließ sich die Armada von Bohranlagen relativ schnell ausmotten und wieder ins Feld schicken. Dass allerdings ein solch niedriger Ölpreis nicht gerade dazu beiträgt, alternative Energiequellen und sparsamen Energieeinsatz wirtschaftlich zu machen - die Zukunft wirds uns "danken". Also pulvern wir raus, was drin ist in der Erdkruste und "freuen" uns auf das Seneca-Cliff.

Interessant ist, dass das Peak-Konzept zunehmend auf andere Bereiche übertragen wird. Man könnte auch sagen: Die Grenzen des Wachstums werden sichtbarer und "Peak Oil" hat einen bildlichen Begriff beigetragen. Ikea jedenfalls scheint zu akzeptieren, dass "Peak Furniture" in Europa erreicht ist. Wir haben genug Möbel stellt der Möbelhersteller fest. Anderswo in der Welt mag das anders sein, aber hierzulande quellen Wohnungen, Keller und Dachböden von Zeug über. Immerhin sagt der Ikea-Nachhaltigkeitsbeauftragte, das Unternehmen wolle mehr recyclebare Möbel herstellen, was ein gutes Ergebnis des Peaks sein dürfte. Die Stadtverwaltung Amsterdams hat beschlossen, dass bis 2025 alle Busse des Stadtverkehrs elektrisch fahren und die Grünen in Deutschland diskutieren (ernsthaft?) darüber, ab 2036 die Zulassung von Verbrennungsmotor-PKW zu verbieten. Bis dahin wird noch viel passieren... Gutes 2016!

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Das ETP-Modell der HillsGroup: EROI des Ölfördersystems

Peak-Oil.com-Leser kennen das Prinzip des "Energie Return On Energy Invested" (EROI/EROEI): Dieses Konzept behandelt Energie-Ernte ähnlich wie eine Finanz-Investition, indem es fragt: Wieviel Energie muss ich z.B. in einer Ölförderanlage oder in das gesamte Fördersystem investieren, um eine Energie-Einheit Öl zu fördern? Dieser Frage geht eine Studie der HillsGroup nach. Spannend ist die Frage: Wie hat sich die Energieinvestition in 1 Barrel Öl über die Zeit verändert? Wann muss in das Ölfördersystem mehr Energie hineingeschoben werden, als das Ölfördersystem dafür an Energie liefert?

Mich erreicht eine Auswertung dieser Studie. Der Autor Berndt arbeitete als Physiker in verschiedenen Branchen, hat auch bereits für Töchter von Mineralölkonzernen gearbeitet. Seine Erläuterungen kann man als grundlegende Überlegungen zu EROI lesen: Eine Anwendung der Thermodynamik auf das Ölfördersystem. Eine interessante Schlußfolgerung lautet, dass die Ölförderung jährlich um 1,2% gesteigert werden muss, um die für die Globalwirtschaft frei verfügbare Energiemenge nicht absinken zu lassen.

Der Autor erhofft sich eine Diskussion um diesen Blickwinkel, und insbesondere eine Wahrnehmung dieses Modells unter Physikern.


Einführung
Jeder der sich mit dem Thema Grenzen der Ölförderung beschäftigt, wird den Begriff EROI (oder EROEI) kennen. EROI steht für Energy Return on Energy invested, und bezeichnet den energetischen Erntefaktor. Bei der Ölförderung war der EROI-Wert Anfang des 20.ten Jahrhunderts etwa 100, und ist seitdem kontinuierlich gefallen, und wird heute etwa auf 10 geschätzt. Das Problem bei der EROI – Bestimmung ist, welche Faktoren einzuberechnen sind. Um eine genaue Bestimmung der zu Ölförderung nötigen Energie durchzuführen, sind unter anderem zu berücksichtigen: Energie zum Bohren der Quellen, für die Fertigung der Stahlrohre, Pumpen, Fahrzeuge, Gebäude, Straßen. Energie zum Pumpen von Öl und Wasser, Energie zum Raffinieren des Öls, zum Transport usw. Die genaue Bestimmung des EROI durch Addition der Einzelenergien ist nahezu unmöglich.
Vor ca. einem dreiviertel Jahr stieß ich im Internet auf das EPT-Modell der Hillsgroup. (http://www.thehillsgroup.org/index.html) Die Berechnung der totalen Produktions Energie ETP erfolgt mit einem grundsätzlich anderem Ansatz: Die Gesetze der Thermodynamik werden auf die Ölförderung angewendet. Die Thermodynamik ist die Wissenschaft, die sich mit der Umwandlung von einer Energieform in eine andere beschäftigt. Da Ölförderung in erster Linie mit Energie zu tun hat, ist es selbstverständlich, das man sie thermodynamisch betrachtet; eigentlich ist es unverständlich, dass es vor der Hillsgroup (kurz: HG) niemand tat.
Ich habe mir die Studie der HG beschafft und begonnen die Theorie zu überprüfen. An einzelnen Stellen gebe ich die dort beschriebene Herleitung aufgrund eigener Überlegungen etwas anders wieder.

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Auswertung der von British Petroleum (BP) veröffentlichten Daten

Ein Gastbeitrag von Werner Molzberger:

Der Ölkonzern British Petroleum BP veröffentlicht seit vielen Jahren Daten zu den Energieträgern Öl, Gas, Kohle und Uran. Die Zahlen betreffen Produktion, Verbrauch und Reserven. Die Broschüren erscheinen jährlich Mitte Juni unter der Bezeichnung statistical review.

Da die Zahlen selbst wenig aussagen, habe ich sie in Tabellen eingegeben und daraus Diagramme erstellt. Aus den Diagrammen lässt sich die Entwicklung in den verschiedenen Ländern und Regionen gut erkennen. So sieht man die Auswirkungen der Finanzkrise im Ölverbrauch verschiedener Länder sehr gut. Bei anderen Ländern – China, Indien etc. – hat sich die Finanzkrise nicht niedergeschlagen.

Die stark gestiegene Schieferölproduktion ist in den Diagrammen der USA und Kanada deutlich zu sehen.

Es zeigen sich große Unterschiede bei den Ölverbrauchskurven der verschiedenen Länder. Die der Industrieländer verlaufen mehr oder weniger waagerecht mit den Einbrüchen durch die Finanzkrise. Die der Entwicklungs- und Schwellenländer zeigen durchwegs ansteigende Tendenz.

Das gleiche gilt für die Regionen. Bei den Regionen der Entwicklungs- und Schwellenländern gibt es nur noch eine Region (Mittlerer Osten), die eine steigende Ölproduktion aufweist. Alle Regionen aber zeigen eine kräftig steigende Ölverbrauchskurve.

In den zu Blöcken zusammengefassten Regionen werden die Verhältnisse noch deutlicher. Die in Block 2 zusammengefassten Entwicklungs- und Schwellenländer haben bis ca. 2008 den Block 1 (Industrieländer) mit Rohöl versorgt (ca. 10 Millionen Fass / Tag). Seitdem geht der Ölexport von Block 2 nach Block 1 deutlich zurück. In vielleicht zwei oder drei Jahren wird sich der Ölfluss von Block 2 nach Block 1 umkehren. Die Industrieländer werden dann die Entwicklungs- und Schwellenländer mit Rohöl versorgen. Wie lange das möglich sein wird ist die spannende Frage.

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Staatsstreich in Saudi Arabien?

Montag könnte ein Blick auf die Notierungen beim Ölpreis interessant werden. Hintergrund sind Gerüchte über einen möglichen Putsch in Saudi Arabien. Der erst seit 10 Monaten im Amt befindliche König Salman Bin Abdelaziz ist laut Debka heute ins Krankenhaus eingeliefert worden (via: blog.fefe.de). Der 79 Jahre alte Mann sei angeblich "verrückt" geworden und habe sich selbst verletzt, es sei Demenz festgestellt worden. Als Nachfolger sei Kronprinz Muhammad bin Nayef ins Amt eingetreten. Allerdings berichtet Debka, dass diese Entwicklungen Teil eines Putsches sei.

Diese Entwicklung wäre nicht unwahrscheinlich. Schon zum Tode des Vorgängers König Abdullah, der im Januar 90jährig starb, sagten Kenner Machtkämpfe um die Staatsführung voraus. Ich empfehle zur tiefergehenden Lektüre den Artikel vom 17.01.2015: Ölmacht Saudi Arabien: Ölgeld, Ölmonarchie und der Tod des Königs

Weitergehend (gelistet nach Fundreihenfolge):

Nachtrag: Bislang gibt es keine Bestätigung dieses Gerüchts, vermutlich ist nichts dran. Auch der Ölpreis hat sich heute unauffällig verhalten.

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Energie, Rendite, Kapitalismus und Marktwirtschaft: Ein geniales Gespann mit endlicher Lebensdauer

Ich hatte ja vor einiger Zeit versprochen einmal meine Gedanken über den Zusammenhang von Energie und unserem Wirtschaftssystem in einen Artikel zu packen. Hier ist er nun.

Um zu verstehen wie sich ein Energiemangel auf die gesellschaftliche Entwicklung auswirkt ist es erforderlich die Funktionsweise unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems zu verstehen. Zentral sind dabei die Begriffe Rendite, Kapitalismus und Marktwirtschaft. Was die Sache besonders schwierig macht ist die Tatsache das diese Begriffe zwar häufig verwendet, aber entweder unterschiedlich definiert oder aber ohne jegliche Definition gleich als ideologische Kampfbegriffe verwendet werden. Erschwerend kommt hinzu dass sie oft synonym eingesetzt oder als grundlegend zusammenhängend betrachtet werden, was ebenfalls falsch ist.

Der wichtigste Begriff in diesem Zusammenhang ist nicht, für manche vielleicht erstaunlich, der des Kapitalismus, sondern der der Rendite. Renditen tauchen in der Geschichte in dem Moment auf als es gelang relevante Überschüsse zu produzieren. Dieser Zeitpunkt war erreicht, als die sich entwickelnde Landwirtschaft einen höheren Produktivitätslevel erreichte als das Jagen und Sammeln. Also der Moment als mit dem gleichen Arbeits- und Zeitaufwand von Bauern mehr Kalorien erzeugt wurden als von Jägern und Sammlern (ein äußerst zäher Prozess, der Jahrhunderte bis Jahrtausende dauerte). Als dieser Punkt erreicht war änderte sich schlagartig und für immer die Stellung des Menschen innerhalb der Biosphäre.

War es Menschen bis dahin gelungen durch ihre Intelligenz die Art nutzbarer Ressourcen auszudehnen und dadurch mit Ausnahme der Antarktis alle Landhabitate zu besetzen, so war doch die Arbeitsproduktivität nicht wesentlich gestiegen. Das bedeutete die verfügbaren Güter reichten zum Überleben der Art, aber auch nicht für mehr. Ist keine überschüssige Arbeitskraft oder Arbeitszeit vorhanden so ist deren Einsatz durch pure Notwendigkeiten weitgehend determiniert. Große materielle Unterschiede treten zwischen den Gesellschaftsmitgliedern nicht auf. Selbst starke Rangunterschiede führen nicht zu großen Unterschieden in der Güterverfügbarkeit, denn das würde sofort einen Teil der Gruppe in den Untergang treiben. Selbst die Möglichkeit, dass sich ranghöhere Gruppenmitglieder vor der Arbeit „drücken“ ist nur sehr begrenzt möglich, denn ohne Überschüsse ist es der Gruppe kaum möglich unzureichend produktive Mitglieder zu alimentieren.

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Peak-Signale aus Fracking-Land

Es mehren sich die Zeichen, dass der geschrumpfte Ölpreis und die zurückgefahrenen Bohraktivitäten dazu führen, dass auch die Ölförderung in den USA nicht mehr steigt. Das zeigen die aktuellen Daten der Energie-Statistikbehörde EIA der USA. So stagnierte die Ölförderung im US-Kernland ("Lower 48 States", ohne Alaska und den Golf von Mexiko) in der Woche vom 13. März zur Woche des 20. März bei 8.911.000 Barrel täglich. Das ist angesichts der seit Jahren steigenden Förderzahlen bemerkenswert, sollte andererseits aufgrund des sehr kurzfristigen Wochen-Vergleichs nicht überbewertet werden. (Dank an: Markus)

Matt Mushalik, deutschstämmiger Australier, analysierte in seinem neuen Blogbeitrag auf CrudeOilPeak.info ausführlich die März-Daten des Short Term Energy Outlook (STEO) der EIA und bereitete sie grafisch auf. Dankenswerterweise erlaubt er, diese Grafiken hier vorzustellen:

Das folgende Diagramm zeigt die US-Gesamtförderung (schwarz), die Förderung im US-Kernland in die die Fracking-Ergebnisse einfließen (braun, Lower 48-Staaten), sowie Alaska und den Golf von Mexiko (blau) bis Februar 2015 (senkrechter Strich) und schreibt dann erwartete Förderergebnisse der EIA in die Zukunft fort. Dabei wird ein Trendbruch sichtbar: Die bis heute ansteigende Ölförderung verlangsamt ihren Anstieg künftig stark und die EIA erwartet einen zwischenzeitlichen Rückgang der US-Ölförderung. Die Förderung in den Lower-48-Staaten soll bis Anfang 2016 leicht zurückgehen und erst dann wieder leicht ansteigen. Dieser Anstieg ist laut dieser Vorhersage aber auch mit einem Preisanstieg verbunden (rot): 70 US$ soll Öl pro Barrel in 2016 wieder kosten. Vom jetzigen Niveau von etwa 45 US$/Barrel (WTI) bedeutet dies einen Anstieg um über 50% binnen eines Jahres.

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Ruhe vor dem Sturm?

Eigentlich gibt es seit mehreren Wochen nichts wirklich Neues an der Peak-Oil-Front: Der Ölpreis hat seit Anfang 2015 ein Tief erreicht (Brent: leicht oberhalb 50 US$, WTI /Nordamerika: leicht unterhalb 50 US$) und bewegt sich um diese Werte seitwärts. Ein erster Boden ist offenbar erreicht. Nun kann die Erbsenzählerei im Wochentakt beginnen und alles schaut in die USA, wo die teuerste Fördertechnik (Fracking) zum Einsatz kommt. Ganz nach den Preis-Gesetzen geht dort seit 3 Monaten die Anzahl der aktiven Bohr-Teams zurück, statistisch aufbereitet durch den sogenannten "Rig-Count". 1609 Rigs waren noch im Oktober dabei, neue Bohrungen zu setzen, in der letzten Woche waren es mit 866 nur noch knapp halb soviel.

An diese Entwicklung knüpft zeitverzögert der eigentliche Fracking-Vorgang an und daran zeitverzögert die "Ernte" von Öl und Gas und daran zeitverzögert die statistische Aufbereitung durch die Firmen und US-Behörden. Für das Fracking-Gebiet namens "Bakken-Shale" in Nord-Dakota hat Mason Inman einen ersten Rückgang aus den Statistiken für Januar 2015 herausgelesen: Bakken oil production is already declining. Verwunderlich ist das nicht, sondern letztlich gemäß ökonomischer Gesetze konsequent. Was für eine Beurteilung aber viel wichtiger wäre, ist zu wissen: Wie geht diese Entwicklung weiter? Wie schnell wird die Ölförderung wohl nachlassen? Welche Auswirkungen hat das auf den Ölmarkt und den Ölpreis? Geht dieser wieder nach oben? Wann? Wie schnell? Bis wohin? (mehr …)

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Auswirkungen des EU-Gasstresstests auf Sachsen? Unbedenklich!

2014 war „Jahr Eins“ des Ukraine-Krieges. Am 16. März fand das umstrittene Referendum auf der Krim statt, nach welchem die Halbinsel dem russischen Territorium zugeschlagen wurde. Weil die Ukraine Transit-Land für russisches Gas und Öl in die EU ist und weil die EU und Russland über die Entwicklung (in) der Ukraine in Widerstreit liegen, wurde erstmals die Energieversorgungssicherheit Europas in größerem Maße öffentlich diskutiert. Am 27. Juni beschloss die EU-Kommission, einen sogenannten „Gasstresstest“ durchzuführen um herauszuarbeiten, wie anfällig die europäische Gasversorgung bei einem Gas-Boykott aus dem Osten wäre. Für diesen Stresstest holte sich die EU-Kommission offenbar Zuarbeit von den nationalen Behörden ein. Aus der internen Regierungsanalyse, die die Bundesregierung unter dem grünen Energiestaatssekretär Rainer Braake erstellte, schlußfolgerte SPIEGEL ONLINE: „Russischer Gasboykott träfe Deutschland hart“. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse des Gasstresstests am 16. Oktober und die zugehörige Pressemitteilung beinhaltete die Aufforderung:

Staatliche Eingriffe sollten auf regionaler Ebene sorgfältig vorbereitet
und nur vorgenommen werden, wenn dies notwendig ist.
http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-1162_de.htm

Die Beamten der EU als Nationalstaaten-Bund wissen sehr wohl zu unterscheiden, ob sie die nationale oder die regionale Ebene ansprechen. Obige Formulierung adressiert offensichtlich eine Ebene unterhalb der nationalstaatlichen Ebene. In Deutschland dürften daher die Bundesländer zu den Adressaten dieser Mitteilung gehören. Daher liegt es nahe, die jeweiligen Landesregierungen zu fragen, was sie tun, um den von der EU vorgelegten Stresstest mit echten Handlungen zu untermauern. 5 Fragen, die mich am meisten interessieren, sandte ich daraufhin an zwei Landtagsabgeordnete unterschiedlicher Fraktionen im Sächsischen Landtag und bat darum, diese Fragen als „Kleine Anfrage“ einzureichen. Dr. Gerd Lippold, energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen fragte daher am 6. Januar 2015:

Auf Basis des Gas-Stresstests empfiehlt die EU-Kommission,
staatliche Eingriffe auf regionaler Ebene sorgfältig vorzubereiten:

  • Welche Eingriffe bereitet die Staatsregierung vor und wie erfolgt diese Vorbereitung?
  • Welche Wirkungen eines russischen Gas-Boykotts auf sächsische Unternehmen und Haushalte werden erwartet?
  • Welche Empfehlungen an Haushalte, Unternehmen, Kraftwerksbetreiber und Kommunalverwaltungen gibt die Staatsregierung auf Basis der Stresstest-Ergebnisse und der vorzubereitenden Eingriffe?
  • Welche Änderungen an der Energiestrategie der Landesregierung ergeben sich?
  • Inwieweit hält die Landesregierung es angesichts der hohen Ölabhängigkeit gegenüber Russland für notwendig, Stresstests hinsichtlich eines Ölboykott-Szenarios durchzuführen?

 

Die vollständig ausgeschöpfte Frist zur Beantwortung dieser „Kleinen Anfrage“ endete am 6. Februar. Das Original-Dokument des Sächsischen Wirtschaftsministeriums ist im Parlamentsdokumentationssystem des Sächsischen Landtags abrufbar. Ich empfehle erst das 3seitige Dokument und danach die folgende Beurteilung zu lesen:

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Kehrtwende am Ölmarkt?

Die große Gefahr für die Ölversorgung der Zukunft besteht darin, dass der Ölpreis durch Marktübertreibungen aus einem Stabilitätskorridor ausbricht, dessen Untergrenze die Minimalkosten für die Ölförderung darstellt und dessen Obergrenze die Tragbarkeitskosten für die Volkswirtschaften ist. Kostet Öl weniger als das, was für die Bereitstellung künftiger Ölförderung notwendig ist, werden Investitionen in Ölförderung verschoben oder gar beiseite gelegt. Die daraufhin entstehende Zukunftsknappheit hebt den Ölpreis später wieder an und hebt ihn damit wieder in den Stabilitätskorridor. Allerdings liegt in der Verschiebung der Investition schon ein möglicher Keim für die Übertreibung nach oben: Denn fehlt künftiges Öl zum Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage kann es aufgrund des hohen Zeitaufwands für Ölprojekte nicht eben von einem Monat zum nächsten verfügbar gemacht werden. Kostet Öl mehr, als für die Konsumten tragbar ist, müssen sie ihre Arbeitsweise so umstellen, dass sie auf den zu teuren Stoff verzichten, was aber für viele Geschäftsmodelle bedeutet, dass ihnen die Funktionsgrundlage fehlt. Pleiten sind die Folge und damit wirtschaftliche Verwerfungen. Die darauf entstehende Nachfragesenkung senkt auch den Ölpreis später wieder ab und senkt ihn zurück in den Stabilitätskorridor. Allerdings liegt in einer dauerhaft rückgehenden Ölnachfrage schon ein möglicher Keim für die Übertreibung nach unten: Denn ist ein Ölüberschuss zum Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage vorhanden, kann dieser aufgrund einer dauerhaften Nachfragezerstörung nur durch ein Stilllegen von Ölförderprojekten abgebaut werden. Ein Ölpreis, der nach unten aus dem Stabilitätskorridor ausbricht ist ein mächtiges Signal, genau dies zu tun: Ölförderprojekte stilllegen. Das Preisrisiko in einem Peak-Oil-Umfeld besteht also darin, dass der Ölpreis in enormen Schwankungen immer über den Stabilitätskorridor hinauspendelt und mit jeder Übertreibung in die eine Richtung die Grundlage für die Übertreibung in die andere Richtung legt. Planungssicherheit geht verloren und damit Vertrauen sowohl in die Ölversorgung als Geschäft wie auch in ein stabiles wirtschaftliches Umfeld.

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