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Fusion: Halliburton + Baker Hughes, während immer mehr Ölfirmen Finanzprobleme haben

Zwei der wichtigsten globalen Zulieferer zur Öl- und Gasindustrie fusionieren: Halliburton und Baker Hughes. Der Deal ist 35 Milliarden US$ schwer. Das ganze passiert in einer Zeit, in der die niedrigen Ölpreise diversen Ölfirmen die Geldströme abwürgt. Die Ratingagentur Moody's weist darauf hin, dass von den 28 Unternehmen, die neu auf die Liste schlechter BBB- und schlechterer Bonität gekommen sind, 12 aus dem Öl- und Gassektor kommen: 43%. Damit halten Öl- und Gasfirmen einen Anteil von 14% dieser Liste, den höchsten Anteil, den die Branche je auf dieser Liste innehatte und das größte Segment aller vertretenen Branchen. Der Hauptgrund, warum Firmen diese Liste verlassen, ist nicht, weil sie ihre Bonität verbessern. Der derzeitige Hauptgrund ist die Insolvenz. (Eine interessante Grafik, die den Ölpreis und die Länge der BBB--Firmen-Liste in Zusammenhang bringt, zeigt der australische Business Insider.)

Der US-Ölmilliardär T. Boone Pickens wird in der Financial Times mit der Aussage zitiert, die US-Fracking-Firmen hätten eine Überproduktion verursacht und sollten daher ihre Aktivitäten zurückschrauben. Laut jüngster Statistiken geht sein Wunsch gerade in Erfüllung. Doch Pickens, der selbst barrelweise Geld durch Fracking verdient, macht deshalb keine Abkehr von der Fördermethode. Er bewirbt derzeit seinen "Pickens Plan", der die USA durch Fracking importunabhängig machen soll. Geschäftstüchtig wie er ist, wettet er laut Financial Times auf einen Preisanstieg auf 70 US$ bis Ende 2015. Auch diese Marke teilt er mit der US-Energiestatistikbehörde EIA. Was die Bedeutung des Frackings für die globale Ölversorgung betrifft, liegt der Ölmagnat voll auf Linie dieses Blogs:

“If you did not have the US oil today . . . do you know where you’d be? You’d be at $150 to $200 [per barrel] oil. The United States is the one that saved the world from a very, very high oil price. Do they get credit for it? Hell no. Give ‘em credit for it.”

"Wenn du heute nicht das US-Öl hättest ... weist du, wo du wärst? Du wärest bei 150 bis 200 US$ pro Barrel Öl. Die USA sind diejenigen, die die Welt vor einem sehr, sehr hohen Ölpreis bewahrt haben. Wird ihnen das angerechnet? Verdammt nochmal: nein. Du solltest es ihnen aber anrechnen."

Zur Erinnerung: Nordamerika, also die USA und Kanada, ist die Weltregion, die noch signifikanten Zuwachs zur Welt-Ölförderung leistet. Alle anderen Weltregionen zusammen sind bereits seit 2005 beim Ölfördermaximum angekommen.

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Ruhe vor dem Sturm?

Eigentlich gibt es seit mehreren Wochen nichts wirklich Neues an der Peak-Oil-Front: Der Ölpreis hat seit Anfang 2015 ein Tief erreicht (Brent: leicht oberhalb 50 US$, WTI /Nordamerika: leicht unterhalb 50 US$) und bewegt sich um diese Werte seitwärts. Ein erster Boden ist offenbar erreicht. Nun kann die Erbsenzählerei im Wochentakt beginnen und alles schaut in die USA, wo die teuerste Fördertechnik (Fracking) zum Einsatz kommt. Ganz nach den Preis-Gesetzen geht dort seit 3 Monaten die Anzahl der aktiven Bohr-Teams zurück, statistisch aufbereitet durch den sogenannten "Rig-Count". 1609 Rigs waren noch im Oktober dabei, neue Bohrungen zu setzen, in der letzten Woche waren es mit 866 nur noch knapp halb soviel.

An diese Entwicklung knüpft zeitverzögert der eigentliche Fracking-Vorgang an und daran zeitverzögert die "Ernte" von Öl und Gas und daran zeitverzögert die statistische Aufbereitung durch die Firmen und US-Behörden. Für das Fracking-Gebiet namens "Bakken-Shale" in Nord-Dakota hat Mason Inman einen ersten Rückgang aus den Statistiken für Januar 2015 herausgelesen: Bakken oil production is already declining. Verwunderlich ist das nicht, sondern letztlich gemäß ökonomischer Gesetze konsequent. Was für eine Beurteilung aber viel wichtiger wäre, ist zu wissen: Wie geht diese Entwicklung weiter? Wie schnell wird die Ölförderung wohl nachlassen? Welche Auswirkungen hat das auf den Ölmarkt und den Ölpreis? Geht dieser wieder nach oben? Wann? Wie schnell? Bis wohin? (mehr …)

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IEA sieht Russland am Öl-Peak, Fatih Birol wird neuer IEA-Direktor

Im jüngsten Ölmarktbericht nennt die Internationale Energieagentur den Ölpreisabsturz sowohl durch das erhöhte Angebot (USA, Irak) wie auch durch die Nachfrageseite getrieben: Die Welt werde mehr digital, was den Bedarf an Treibstoffen verringert. Großer Verlierer der Krise sei Russland, das durch einen einbrechenden Ölpreis, westliche Sanktionen und eine starke Rubel-Abwertung am meisten zu verlieren hat. Von 2014 bis 2020 werde die russische Tages-Ölförderung durch mangelnde Investitionen um 560.000 Barrel zurückgehen. Bei N-TV (via: dpa) klingt diese Meldung ein wenig wie ein "Sieg der Sanktionen". Dabei ist die russische Ölförderung heute wesentlich für die Ölversorgung Europas verantwortlich. Bei etwas über 10 Millionen Barrel derzeitiger Ölförderung pro Tag und einem Exportvolumen von 7 Millionen Barrel sind ein halbes Millionen Barrel zwar nur etwa 7% des Exportvolumens. Dennoch bedeutet dies, dass Russlands Käufer diese Menge an Treibstoffen bis 2020 einsparen oder aus anderen Weltregionen zukaufen müssen. Die IEA erwartet, dass der US-Fracking-Boom nicht am Ende ist, sondern nur eine Pause einlegt. Demnach könnte US-Light-Tight-Oil den Rückgang russischer Ölförderung ausgleichen und die globalen Exportrouten verändern. Dennoch bedeutet die Aussage der IEA, dass einer der Top-3-Ölförderer der Welt seinen Peak im Laufe der kommenden 5 Jahre überschreiten wird. Die IEA macht keine Aussage, mit welcher Geschwindigkeit die Ölförderung Russlands nach dem Jahr 2020 schrumpft.

Die IEA teilt dieser Tage außerdem mit, dass Fatih Birol ab September ihr neuer Direktor wird. Der bislang als Chefökonom der Agentur arbeitende Birol hat OPEC-Erfahrung und das Peak-Thema in dem von ihm verantworteten World Energy Outlook regelmäßig verarbeitet. Er wird oft mit dem Satz zitiert "Wir müssen das Öl verlassen, bevor es uns verläßt" und auf ihn gehen starke Bilder zurück wie das von den vier Saudi-Arabiens, die die Welt bis 2030 finden müsse, um den Rückgang der alten Ölfelder auszugleichen. Mit ihm rückt ein fachlich versierter Peak-Oil-Kenner, der Warner aber kein Doomer ist, an die Spitze der wichtigsten Energie-Organisation der Industrieländer (OECD).

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Erdgas-Beben in Groningen: Gebäudesanierung kostet 6,5 Mrd. Euro

Das Groningen-Erdgasfeld im Norden der Niederlande ist das größte Europas und das zehntgrößte der Welt. Entdeckt 1959 und befördert seit 1963 wird es seit ersten Erdbeben ab 1986 verdächtigt, für zahlreiche Erdbeben verantwortlich zu sein. Oder besser gesagt: Die Gasförderung aus diesem Feld. Das jüngste Erdbeben ereignete sich zwischen Weihnachten und Neujahr. Eine Bebenstärke von 2,8 auf der Richterskala wurde gemessen.

Titelte das Oil&Gas-Journal zum 50jährigen Entdeckungsjubiläum 2009 noch, das "Groningen-Gasfeld werde weitere 50 Jahre Gas bereitstellen", so wurde die Kürzung der Förderung Anfang 2014 durch die niederländische Regierung beschlossen. Nun berichtet der Telegraaf basierend auf einem Ingenieur-Bericht, dass Ertüchtigung von 30.000 bis 90.000 Gebäuden in der Region notwendig ist, um den zahlreichen Beben zu widerstehen. 6,5 Milliarden Euro könnte der Umbau kosten. Beauftragt wurde die Studie vom niederländischen Wirtschaftsminister Kamp, nachdem 2012 ein Beben von der Stärke 3,6 gemessen wurde. Laut Telegraaf hatten Seismologen solche Bebenstärken zuvor nicht für möglich gehalten und kamen danach zu dem Schluss, dass die durch die Gasförderung ausgelösten Beben stärker sein könnten, als gedacht. Der Umbau der Häuser ist ein Mega-Unterfangen, bei dem die Region von zahlreichen Baugerüsten geprägt sein dürfte und bei dem die Bewohner zumindest zwischenzeitlich ihre Wohnungen verlassen müssen.

Bis 2013 erzielte die niederländische Regierung Erlöse von ca. 12 Milliarden Euro jährlich aus dem Gasfeld. Durch die angestrebten Förderkürzungen von 49 bis 54 Millionen Kubikmeter auf bis zu 40 Millionen Kubikmeter in 2016 sinken die staatlichen Erlöse vorausichtlich um 600 Millionen Euro in 2014, 700 Millionen in 2015 und 1 Milliarde ab 2016. Über 2 Billionen Kubikmeter Gasvolumen wurden der Erdkruste in der Region seit Förderbeginn entnommen. Kaum verwunderlich, dass sich die Erdkruste neu "zurechtbewegt". Ob die Förderkürzung tatsächlich auch die Beben reduziert muss sich erst noch zeigen. Das Beben zum Jahreswechsel verdeutlicht, dass die Erdbeben nicht einfach aufhören, weil man weniger Gas entnimmt. Zu den schrumpfenden Fördererlösen kommen nun also noch zusätzliche Milliardenausgaben für die Ertüchtigung der Gebäude in der Region. Das Verhältnis zwischen Staatsschulden und Wirtschaftsleistung stieg von 58,5% in 2009 auf 73,5% in 2014, Mindereinnahmen und Zusatzausgaben verschärfen das Schuldenproblem.

Die Niederlande erreichten ihr Ölfördermaximum 1994 und ihr Gasfördermaximum 1996. Das Land ist dennoch der elftgrößte Gasförderer der Welt und lieferte 2013 mehr als ein Viertel der deutschen Gasimporte. Die Niederländische Regierung erließ im Dezember ein Fracking-Moratorium, was es bis 2016 verbietet, Fracking-Aktivitäten vorzunehmen. Diese Haltung verwundert angesichts der Erdbeben-Frage nicht, wird doch auch Fracking für Erdbeben verantwortlich gemacht.

(Dank an Jurriaan)

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Kehrtwende am Ölmarkt?

Die große Gefahr für die Ölversorgung der Zukunft besteht darin, dass der Ölpreis durch Marktübertreibungen aus einem Stabilitätskorridor ausbricht, dessen Untergrenze die Minimalkosten für die Ölförderung darstellt und dessen Obergrenze die Tragbarkeitskosten für die Volkswirtschaften ist. Kostet Öl weniger als das, was für die Bereitstellung künftiger Ölförderung notwendig ist, werden Investitionen in Ölförderung verschoben oder gar beiseite gelegt. Die daraufhin entstehende Zukunftsknappheit hebt den Ölpreis später wieder an und hebt ihn damit wieder in den Stabilitätskorridor. Allerdings liegt in der Verschiebung der Investition schon ein möglicher Keim für die Übertreibung nach oben: Denn fehlt künftiges Öl zum Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage kann es aufgrund des hohen Zeitaufwands für Ölprojekte nicht eben von einem Monat zum nächsten verfügbar gemacht werden. Kostet Öl mehr, als für die Konsumten tragbar ist, müssen sie ihre Arbeitsweise so umstellen, dass sie auf den zu teuren Stoff verzichten, was aber für viele Geschäftsmodelle bedeutet, dass ihnen die Funktionsgrundlage fehlt. Pleiten sind die Folge und damit wirtschaftliche Verwerfungen. Die darauf entstehende Nachfragesenkung senkt auch den Ölpreis später wieder ab und senkt ihn zurück in den Stabilitätskorridor. Allerdings liegt in einer dauerhaft rückgehenden Ölnachfrage schon ein möglicher Keim für die Übertreibung nach unten: Denn ist ein Ölüberschuss zum Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage vorhanden, kann dieser aufgrund einer dauerhaften Nachfragezerstörung nur durch ein Stilllegen von Ölförderprojekten abgebaut werden. Ein Ölpreis, der nach unten aus dem Stabilitätskorridor ausbricht ist ein mächtiges Signal, genau dies zu tun: Ölförderprojekte stilllegen. Das Preisrisiko in einem Peak-Oil-Umfeld besteht also darin, dass der Ölpreis in enormen Schwankungen immer über den Stabilitätskorridor hinauspendelt und mit jeder Übertreibung in die eine Richtung die Grundlage für die Übertreibung in die andere Richtung legt. Planungssicherheit geht verloren und damit Vertrauen sowohl in die Ölversorgung als Geschäft wie auch in ein stabiles wirtschaftliches Umfeld.

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Ölpreisverfall: Billionen-Risiko und kollabierende Nordseeölindustrie

Goldman Sachs hat 400 zukünftige Großprojekte zur Ölförderung untersucht, ob diese bei einem Ölpreis von 70 US$ noch profitabel sind. Weniger als ein Drittel dieser Projekte sind noch profitabel, Projekte im Gesamtwert von 930 Milliarden US$ sind es nicht mehr. Mithin besteht das Risiko, dass diese Investments mehr kosten als ihre Ölförderung einbringt. Diese Projekte stehen für eine Ölförderung 7,5 Millionen Barrel Öl pro Tag im Jahr 2025. Ihr Platzen würde also eine enorme Menge Zukunftsöl vom Markt nehmen.

Hinzu kommt, dass der aktuelle Ölpreis schon 10 Dollar unter der Analyse-Grenze von Goldman Sachs liegt und somit noch mehr Projekte betroffen wären. Auch sind die Tight-Oil und Schiefergas-Gebiete in den USA noch nicht in diese Analyse einbezogen - vermutlich weil sie aus vielen kleinen Projekte bestehen und nicht als ein Großes. Die Gerüchte, der Fracking-Boom der USA basiere auf inzwischen faulen Krediten, halten sich hartnäckig und könnten, die Vorstufe zu einer neuen Finanzkrise darstellen. Bloomberg zitiert den Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate damit, dass die OPEC erst eingreifen würde, wenn der Ölpreis unter 40 US$ sinkt.

Für 2015 stehen laut Bloomberg in den Ölfirmen Investitionsentscheidungen für 800 Projekte in Höhe von 500 Milliarden US$ an. Das aktuelle Preisniveau dürfte starken Einfluss darauf haben, ob die Entscheidungen zugunsten oder zuungunsten der Projekte ausfallen. Je länger das aktuelle Ölpreisniveau anhalte, umso mehr der "Zombie-Projekte" würden aufs Abstellgleis geschoben und damit könnte der anschließende Ölpreis-Anstieg umso rasanter ausfallen, warnt Bloomberg.

Dazu passt ein Bericht der BBC, nach welchem in der Nordsee beim aktuellen Ölpreis kein einziges neues Ölförderprojekt mehr profitabel wäre. Die Budgets in den aktiven Firmen würden für 2015 zurückgefahren, Personal entlassen, Projekte stillgelegt. ConocoPhillips entlässt in Großbritannien 230 von 1650 Arbeitern und kündigt eine Kürzung des Investitionskapitals um 20% für 2015 an. Goldman Sachs zufolge wäre eine Kürzung von 30% der Investitionsbudgets quer durch die Branche denkbar. Der Nordsee-Förderer Apache kürzt das Gehalt der Mitarbeiter ab 1. Januar um 10%.

Die Entwicklung widerspricht völlig den Szenarien der Internationalen Energieagentur, wonach in den kommenden Jahren jährlich 900 Milliarden US$ in neue Öl- und Gas-Investments gesteckt werden müßten, um das Förderniveau aufrecht zu erhalten. Allerdings hat die IEA auch schon andere prophetische Aussagen gemacht, so 2011, als sie vor einer Ölkrise ab 2015 warnte, wenn nicht genügend Investitionen fließen würden. Die Situation in der Nordsee bedroht zudem die sowieso schon wacklige europäische Ölversorgung. Der europäische Selbstversorgungsgrad mit Öl schrumpfte 2013 auf 26,5% auf das Niveau von 1982. Seitdem die Nordsee-Förderung 1996 ihren Peak erreichte schrumpft Europas Ölförderung seit 2002 um 4 bis 7% pro Jahr. Der Ölpreisverfall könnte die Entwicklung beschleunigen.

Jeden, der sich auch nur ein wenig mit Marktmechanismen auskennt, sollte dieser extreme Preiseinbruch beunruhigen.
Manche Ökonomen, die nun über das tolle “Konjunkturprogramm” und den Sieg über Öl-Oligarchen und Scheichs jubeln, kommen mir vor wie manche Urlauber in den Weihnachtsferien 2004 auf Phuket, die sich darüber freuten, wie herrlich breit plötzlich der Strand wurde und wie die Fische auf dem freigelegten Meeresgrund zappelten…
Ein Kommentator

Leider haben Politik, Behörden und die meisten Unternehmen diese Entwicklung weiterhin auf der leichten Schulter, obwohl sich hier ein Doppelrisiko aus Finanz- und Energiekrise auftürmt. Eine Peak-Oil-Strategie wird in den meisten Institutionen weiterhin nicht oder nicht angemessen diskutiert.

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Ölpreisschock: US-Fracking-Aktivitäten brechen um 40% ein

Der seit Juni anhaltende Ölpreis-Einbruch, der jüngst durch das Nicht-Eingreifen der OPEC verstärkt und manifestiert wurde, hat in den USA bereits zu einem Zurückfahren der Fracking-Aktivitäten geführt. Wie Reuters bezugnehmend auf Drilling Info Inc berichtet, sank die Zahl neuer Bohrungen von 7227 in Oktober auf 4520 im November - ein Rückgang um 40% binnen eines Monats. Zwar sind dabei auch witterungsbedingte Rückgänge enthalten, offensichtlich wird der starke Rückgang aber auch von einer zurückgehenden Investitionsneigung getrieben.

Wie Leser dieser Webseite wissen, ist die Besonderheit von Fracking-Ergebnissen in einer stark veränderten Förderkurve abzulesen. Demnach wird in den ersten Tagen die höchste Fördergeschwindigkeit erzielt, die dann stark absinkt:

overestimated_bakken_well_production

Um eine dauerhafte Öl- oder Gasernte zu erzielen, müssen alte Bohrungen darum regelmäßig durch neue Bohrungen ersetzt werden. Passiert dies nicht, würde die Gesamtförderung ähnlich schnell zurückschrumpfen wie die Erntemengen einer einzelnen Bohrung. Da bei wachsendem Gesamtoutput deshalb auch die Zahl der Ersatzbohrungen mitwachsen muss, ergibt sich daraus der "Red-Queen-Effekt": Die rote Königin erklärt Alice im Wunderland, dass sie dort immer schneller laufen müsse, nur um am gleichen Fleck zu bleiben. Bezogen auf Fracking besagt dieser Effekt: Wächst die Zahl der Bohrungen nicht mehr angemessen, schrumpft die Öl- und Gasernte recht schnell zusammen.

Da im Öl- und Gasförderprozess verzögernde Faktoren enthalten sind, wie die Ölernte also nicht sofort spürbar abnehmen, aber vermutlich in den kommenden Monaten und dann braucht das System wieder Zeit, um die Bohrungsaktivität wieder anzufahren. Die Folgen des Ölpreisschocks sind also schon sichtbar: Die USA werden ihre Ölförderung in 2015 vermutlich nicht mehr steigern können, möglicherweise geht die Ölförderung bereits zurück.

Das allerdings bedeutet mit großer Wahrscheinlichkeit das Erreichen des globalen Ölfördergipfels. Denn nur Nordamerika trugen in den Jahren seit 2005 überhaupt eine Steigerung der globalen Ölförderung bei. Ohne Berücksichtigung der USA und Kanada ist die Welt bereits seit 9 Jahren auf dem Ölfördergipfel:

welt-oelforderung-bis-2013

Der Ölpreisschock entzieht dem US-Fracking offenbar die ökonomische Grundlage; und der Welt den letzten verbliebenen Wachstumstreiber der Ölversorgung.

Weitergehend:

Rückblick:

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Rosneft-Chef Setchin: Welt-Organisationen sind wenig wirksam; Ölpreisziel bei 60 US$

In einem ausführlichen Interview mit der WELT stellt der Igor Setchin, Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, den globalen Organisationen für Energie und Handel ein sehr schlechtes Zeugnis aus:

Man muss eingestehen, dass die bestehenden Branchenstrukturen wie die Internationale Energieagentur oder das Sekretariat der Energiecharta leider ihre Funktion nicht erfüllt haben. Sie haben keine Vorschläge, Empfehlungen oder Mechanismen ausgearbeitet, um Spannungen auf dem Energiemarkt zu beseitigen. Schon fünf Monate lang fällt der Ölpreis.

Der aktuelle Preisverfall, dem das zerstrittene OPEC-Kartell nicht durch Förderkürzungen entgegen treten will, würde laut Setchin den Ölpreis in 2015 auf 60 US$ senken. Für das laufende Geschäft sei Rosneft dennoch ausreichend gewappnet, auch wenn Setchin dann Investitionen "in gewisse teure Projekte verschieben" muss. Laut Setschin hat der aktuelle Ölpreisverfall auf Russland weniger Auswirkungen als die Sanktionen im Zuge des Ukraine-Krieges, bei der russischen Energiekonzernen der Zugang zum westlichen Kapitalmarkt und zu westlicher Technologie erschwert ist.

Setchin äußert sich verwundert darüber, warum die Welthandelsorganisation WTO nicht im aktuellen Konflikt eingeschaltet wird, immerhin handelt es sich um ein Preisdumping, welches bei anderen Gelegenheiten die WTO auf den Plan rief. Die Eigeninteressen jedes Landes respektierend schlägt der Rosneft-Chef die Bildung eines "Rates für den Ölmarkt" vor:

Ich denke, erfolgreiche Aussicht haben nicht die Kartellorganisationen, sondern die Schaffung eines Rates für den Markt, wobei sowohl Ölproduzenten wie auch -konsumenten involviert sein müssten. Dann könnten Koordinationen stattfinden, man könnte ein genaues Verständnis des Ausgleichs zwischen Verbrauch und Produktion bekommen.

Dieser Vorschlag könnte im Zusammenhang mit einem absehbaren Ölförderrückgang und starken Ölpreisschwankungen zu einer konzertierten und koordinierten Aktivität der Weltgesellschaft führen. Statt den Rückgang der Ölförderung in einigen Jahren unkontrolliert ablaufen zu lassen, könnte eine Abstimmung der Ölförderer und der Ölverbraucher größere Verwerfungen vermeiden helfen. Gefragt, was die Ursache für den aktuellen drastischen Preisverfall sei, antwortet der Ölkonzernchef:

Ein gewisses Überangebot. Auch haben die USA aufgehört, den Dollar-Kurs stabil zu halten, was laut unseren Experten für 40 Prozent des Ölpreisverfalls verantwortlich ist. Ein dritter Faktor betrifft den regionalen Markt in den USA – und zwar die Fördersteigerung bei Shale-Öl. Diese Förderung wird weiter steigen. Aber praktisch alle Experten sind sich einig, dass von 2017 bis 2025 die höchste Fördermenge erreicht ist. Nach 2025 beginnt sie zu sinken – und zwar wegen der Ressourcenbasis, soweit sie uns heute bekannt ist. Im Moment verstärkt die US-Förderung den Preisverfall, künftig aber wird die zurückgehende Produktion den Preis treiben.

Offenbar hat Rosneft bereits am Dienstag eine homöopathische Fördersenkung um 25.000 Barrel pro Tag verkündet. Im WELT-Interview verweist Setschin darauf, dass es technisch möglich sei, die russische Förderung um weitere 200.000 bis 300.000 Barrel täglich zu senken. Einen Einfluss auf den globalen Ölpreis dürfte dies kaum haben, als Signal an die pipelinegebundenen Ölkunden Russlands darf es dennoch verstanden werden.

Weiterlesen:

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Presseschau November 2014

Lange Schreib-Pausen deuten darauf hin, dass ja eigentlich alles gesagt ist.

Neuigkeiten:

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Auferstehung einer Meldung II: Focus Money entdeckt Australiens Saudi Arabien

Medienkritik wird seit der Ukraine-Krise lauter. Ein Glanzstück schlechten journalistischen Handwerks liefert FOCUS MONEY. Unter dem Titel Ein "neues Saudi Arabien": Das Märchen vom Ende des Ölbooms liefert ein anonymer Autor "die Wahrheit" über Peak Oil und die weltweite Ölversorgung:

Angeblich geht die Ölförderung schon seit 1970 stetig zurück. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Für Panikmache besteht kein Grund. FOCUS-MONEY erklärt, warum die Ölvorräte gehen noch lange nicht zur Neige gehen.

Als Argument dafür, dass Diskussionen um Peak Oil nichts anderes als Panikmache seien, werden die Fracking-Erfolge in den USA seit 2005 herangezogen und als einziger Chart ebenfalls die US-Ölförderung gezeigt. Der Niedergang der europäischen Ölförderung seit 2002, die Stagnation der Weltölförderung außerhalb Nordamerikas seit 2005, die Vervielfachung des Ölpreises seit 2003 und viele weitere bedenkenswerte Risiken rund um die Ölfrage werden nicht angesprochen. Stattdessen darf der anonyme Autor die abiotische Entstehung von Erdöl suggieren und dies mit dem kindischen Verweis auf "Dinosaurier" als fossile Quelle begründen:

Bemerkenswert aber war, dass Hubbert von der Annahme ausging, Öl sei ein fossilier Brennstoff, eine biologische Substanz aus Überresten von Dinosauriern, Algen, Bäumen und anderen Lebensformen aus der Zeit vor 500 Millionen Jahren. So unwissenschaftlich der Öl-Mann die Theorie des fossilen Ursprungs untermauerte, so unprofessionell schien seine Schätzung der verbleibenden (förderbaren) Ölreserven in den USA.

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